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Jan Opiéla, Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
23. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: aus dem Buch des Propheten Ezechiel (33, 7-9), aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer (13, 8-10) und Evangelium: Matthäus 18, 15-20, 06.09.2026
Wer dumm fragt, kann dann auch schon Mal eine nicht so vorteilhafte Antwort erhalten, besonders wenn es um die Predigterlaubnis von Laien, Männern wie Frauen, an exponierter Stelle in der Heilgen Messe geht. Auf dem jetzigen weltkirchlichen Hintergrund konnte die Antwort aus Rom für den nachfragenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, gar nicht anders ausfallen, als mit einem eindeutigen „Nein!“. Während innerkirchlich nun alle Aktiven, die noch guten Willens sind, wie das berühmte Kaninchen auf die Schlange, so nun auf die ausdrückliche ‚Verbotszone‘ für die Laienpredigt direkt nach dem Evangelium blicken, um je nach auftretender Person, sich ggf. dann doch in einem synodal fortschrittlichen Pastoralverbund des Bistums zu wissen, winken andere gelangweilt, schon wohlweislich, ab. Dieses Schicksal der Nichtbeachtung würde auch die für diesen Sonntag vorgegebene Textauswahl ereilen, da sie beim ersten Lesen nun alle nur erdenklichen Vorurteile gegenüber ‚katholischer Kirche‘ auf sich zu vereinen scheint.
Schuld und Sünde sind gehäuft anzutreffen, wie auch die ‚brüderliche‘ Zurechtweisung mit Blick auf Gesetz und Gebote und droht nicht zuletzt der Rauswurf aus der Gemeinschaft, genau das Vokabular worauf nicht wenige wie abonniert abfahren, um sich dann mit Grausen abzuwenden. Doch über die Pflege eigener katholischer Kindheitstraumata wird nun völlig übersehen, dass die Texte in der Tat auch noch eine andere Dimension aufzuweisen hätten.
So sind wir einem Wächter gleich im Buch des Propheten Ezechiel aufgefordert, eine sich aus unserer eigenen Beziehung zu Gott ergebende Verantwortung zu übernehmen gegenüber den Menschen, welche in ihrem Leben vom Weg Gottes abrücken. Und der Apostel Paulus resümiert im Brief an die Gemeinden in Rom, dass bei all den Geboten, die es da doch einzuhalten gibt, es letztendlich auf die Liebe ankommt, welche wir den Menschen in ihren teils verfahrenen Lebenssituationen entgegenzubringen haben. Wobei erstaunt, dass hier nicht Gottes Maß zählt, was uns wahrscheinlich direkt überfordern würde, sondern allein Vorgabe ist, wie ein jeder und jede von uns im Leben Liebe erfahren durfte! … ‚Du sollst deinen Nächsten Lieben wie dich selbst‘ (s. Vers 9). Und in dem recht ausgefeilten und gestuft angelegten System der innergemeindlichen Zurechtweisung bis hin zur völligen Negierung des Uneinsichtigen, können wir sogar die Anfänge unseres deutschen Synodalen Weges wiedererkennen, der ja zunächst eine ganze Sitzungsperiode mit der Zugrundelegung einer Geschäftsordnung verbrachte, um sich dann dem Inhaltlichen widmen zu können. Selbst ‚Rom‘ mokierte diese zutiefst deutsche Herangehensweise, so dass bis heute immer noch nicht ganz klar zu sein scheint, ob die deutsche Kirche und der Papst überhaupt ein und dasselbe meinen, wenn sie von ‚Synodalität‘ sprechen. Kirche als Konstrukt, einem Apparat gleich, den man nur zu bedienen verstehen muss, wo der Glaube womöglich als ‚Abfallprodukt‘ übrigbleibt, bewegt heute keinen mehr.
Von daher fällt den letzten drei Versen im Evangelium (s. Verse 18-20) ein besonderes Gewicht zu, wobei sie eher wie rein zufällig dazu geordnet scheinen, sich aber dennoch wie ein Gegengewicht zu dem bisher beschriebenen, äußerst formalrechtlichen Katalog der Zurechtweisung ausnehmen. Bei allem, was wir so festsetzen, ist uns neben der Bindegewalt auch eine bis ins Göttliche hineinwirkende Lösegewalt zugesprochen, ist uns das Instrumentarium eines auf Gott hin gerichtetes Bitten an die Hand gegeben und nicht zuletzt das gemeinsame Gebet, wo wir uns, selbst auch im ganz kleinen Kreis, der göttlichen Gegenwart sicher sein dürfen. Das ist der überzeugende (pastorale) ‚Werkzeugkasten‘ für eine Kirche ‚heute‘, womit sie Perspektiven aufzeigen kann und den an sich selbst leidenden und im gesellschaftlichen Kontext unzufriedenen in Liebe begegnen kann und nicht, auf die eigenen Machtbefugnisse bedacht, zuallererst im eigenen ‚Laden‘ nach Gusto waltet.
Fragen und Diskussionsbeiträge gerne an: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 23. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Lesung: aus dem Buch Ezechiel ( 33, 7 – 9 )
Ezechiel als Wächter – im Dienst an der Umkehr
… 7 Du aber, Menschensohn, ich habe dich dem Haus Israel als Wächter gegeben; wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst, musst du sie vor mir warnen. 8 Wenn ich zum Schuldigen sage: Schuldiger, du musst sterben! und wenn du nicht redest, um den Schuldigen vor seinem Weg zu warnen, dann wird dieser Schuldige seiner Sünde wegen sterben; sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand zurück. 9 Du aber, wenn du einen Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast, damit er umkehrt, und er sich nicht abkehrt von seinem Weg, dann wird er seiner Sünde wegen sterben; du aber hast dein Leben gerettet. …
Lesung: aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer
(13, 8-10)
Die Liebe als Erfüllung des Gesetzes
8 Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe! Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren! und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.
Evangelium: Matthäus 18, 15 – 20
Die brüderliche Zurechtweisung
15 Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. 16 Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. 17 Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. 18 Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. 19 Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. 20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
