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Jan Opiéla, Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
13. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: Brief des Apostel Paulus an die Römer 6, 3-4.8-11 u. Evangelium: Matthäus 10, 37-42, 28.06.2026
Wenn in früheren Jahren bei Fusionen zu Seelsorgeeinheiten bis hin zu neuen pastoralen Räumen das Gezänk um die dann festzulegende Pfarrkirche zu groß wurde, höre ich den damaligen Erzbischof Kardinal Joachim Meisner immer sagen, ‚Die einzige Pfarrkirche in der Diözese wäre eh der Kölner Dom …‘, woraus sich dann ergab, dass er auch der einzige rechtmäßige Pfarrer wäre! Na ja, dachte man sich da, doch so weit entfernt von diesen, damals recht abstrusen Vorstellungen scheinen wir ja gar nicht mehr zu sein. Und in der Tat, wenn die staatskirchenrechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, die Wahlen für die dann eine, neue Pfarrei mit Kirchenvorstand und Pfarreirat erfolgt sind, lässt sich eine solche Flächengemeinde in vormaliger Dekanatsgröße dann feierlich aus der Taufe heben.
Die bis dato geäußerten Bedenken, allseits bekundeten Frustrationen und Enttäuschungen, was die Zusammenlegung betrifft, so gewinnt man den Eindruck im Anschluss an derartige Fusionsfeierlichkeiten, scheint dann mitunter der Begeisterung gewichen zu sein. Ein imposantes Klangerlebnis im Zusammenspiel der Chöre, Begegnung und Austausch mit Gleichgesinnten, die man da gar nicht erwartet hätte, eine Vielfalt an Katholizität und endlich mal wieder Jugend und Kinder, die vor Ort in der eigenen Pfarrei schon seit Jahren nicht mehr in Erscheinung getreten waren, all das ist es, was einen wieder ‚Kirche‘ atmen lässt.
Mit dem heutigen Evangelium machen wir hier nun einen harten Cut und gehen ganz zurück an den Anfang, wo wir uns über die bereits erfolgte ‚Berufung des Matthäus‘, direkt von seiner Zollstation weg, über die ‚Wahl der Zwölf‘, nun mit der ‚Aufforderung zum furchtlosen Bekenntnis‘ und dem ‚Lohn für die Aufnahme der Jünger‘ mitten im Briefing der Kernmannschaft für ihren Missionseinsatz befinden. Es geht hier also um Entschiedenheit, den Totaleinsatz für die Sache Jesu und da ist keine Rücksicht mehr auf traditionelle Formen familiären Lebens angesagt, hat die geistig-geistliche Verwandtschaft zum Auftragsinhalt, mithin zur Gründerfigur Jesus, einen höheren Stellenwert als familiäre Bindungen und werden als ‚nicht würdig‘ (vgl. Vers 37) diejenigen aussortiert, die nicht in das Profil dieser ‚Start-up‘ Kirche passen. Denn bis dato wurde ‚Kirche‘ immer noch als Jüngerschaft verstanden, als ein Unterwegssein mit der ständigen Bereitschaft zum Zeugnis geben, in Verbindung mit einem prophetischen Element und der Vollmacht zur Heilung (vgl. E. Schweizer, Das Evangelium nach Matthäus, NTD Bd. 2, S. 164/5, Göttingen 1986).
So befremdlich uns dieser Text aus den Anfängen von Kirche auch sein mag, so wichtig könnte er für uns jedoch heute werden. Dann nämlich, wenn das Fusionsfest zu Ende ist, der Caterer abgebaut hat, die Ortsausschüsse ihre Vorstellungsaktionen eingestellt haben und nun alle wieder vor Ort, unter ‚ihrem Kirchturm‘ sind. Da wo die Kfd so langsam ‚stirbt‘, im Jugendraum schon lange keiner mehr am Kicker dreht, der Kirchenchor im Tenor aus dem letzten Loch pfeift und die Kommunionkinder schon längst zentral in der Pfarrkirche versammelt sind. Auch wenn die gottesdienstliche Vollversorgung von der Zentrale aus noch gewährleistet werden kann, lässt sich so Glaube nicht neu aussäen. Das übernehmen jetzt schon an vier ausgewählten Stellen im Erzbistum Köln, da wo klassische Gemeinde angeblich nicht mehr hinreichend wirkte, ‚church-planting-teams‘ mit einer aus der anglikanischen Kirche in England kommenden Pastoralmethode besonders für junge Leute.
Vor Ort jedoch, wenn es irgendwie weitergehen soll, ist nun der von Matthäus beschriebene ‚Missionseinsatz‘ gefragt. Es sind dann die Frauen und Männer, welche aus dem Glauben heraus sich entschieden für die Sache Jesu einsetzen, wobei hier nicht der Einsatz beim Pfarrfest, Weihnachtsmarkt oder der Tannenbaum Deko gefragt ist, sondern die Vermittlung von Glauben! In der Tat könnte es dann sein, dass sich darüber die Meinungen in der Familie heute tatsächlich spalten und so das frühchristliche Missions-Briefing des Evangelisten an Klarheit an nichts eingebüßt hätte.
Für Rückfragen und zur Diskussion jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 13. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Lesung: aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer (6, 3-4 . 8-11)
ZUM GEHORSAM BEFREIT DURCH DAS EVANGELIUM
Ermöglichung eines neuen Lebens durch die Taufe
1 Was sollen wir nun sagen? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade umso mächtiger werde? 2 Keineswegs! Wie können wir, die wir für die Sünde tot sind, noch in ihr leben? 3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?[1] 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. 5 Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein. 6 Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. 10 Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. 11 So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus. …
Evangelium: Matthäus 10, 37 – 42
Gefährdung und Ermutigung der Jünger
…
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. 38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. 39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
Die Aufnahme der Jünger und der Abschluss der Rede
40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. 41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. 42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
