Weinberg
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Jan Opiéla, Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
25. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: aus dem Buch Jesája (55, 6-9) und Evangelium: Matthäus 20, 1 – 16a, 20.09.2026
Plenarwoche im Landtag NRW und ich war 72jährig tatsächlich das erste Mal (!) mit einer kleinen erlesenen Gruppe im ‚Maschinenraum‘ der Landespolitik. Dank einer persönlichen Einladung des Düsseldorfer Landtagsabgeordneten Olaf Lehne (CDU) ging es auf dem Hintergrund des Wahldebakels der christlichen Union als Volkspartei in Sachsen-Anhalt nach erhellenden Tischgesprächen in Begleitung eines äußerst köstlichen Mittagessens dann zur Debatte in den Plenarsaal. Zur Diskussion stand der Antrag der AfD Fraktion zur vollständigen Abschaffung der in der Landesbauordnung seit 2024 verankerten Solardachpflicht. Bekannte Positionen der Fraktionen, mal mehr oder weniger peppig präsentiert, bis zu dem Moment als der AfD- Politiker sein Statement gab; Mehrkosten beim Bau anführte und widersinnige Vermarktungsregeln bei Energieüberschuss darlegte. Das forderte unverzüglich eine heftige Gegenrede der für Baurecht zuständigen ‚Heimatministerin‘ Ina Scharrenbach (CDU) heraus, womit es laut wurde, Zwischenrufe, Ordnungsandrohung seitens der präsidialen Sitzungsleitung, bis wir schließlich beim Europarecht landeten.
Allein die Beschattungsanlage im Saal, welche in unregelmäßigen Abständen auf und zu ging, schien sich noch mit dem Sachthema auseinanderzusetzen. Als still Hörender resümierte ich für mich: da Sonne fast überall scheint … dezentrale Speicherkapazitäten in Nachbarschaftsverwaltung, ein Ende der Einspeisepflicht beim örtlichen Netzbetreiber und Förderung der privatrechtlichen Vermarktung von Solarstrom Überkapazitäten … und all das, bitte, ohne parteipolitische Emotionen!
Mit Blick auf das Evangelium könnte man meinen, dass Jesus schon recht früh die emotional geladenen Gefahrmomente unserer Streitgespräche erahnt haben muss und mit seiner Gleichnis-Erzählung aufdecken wollte. Auch lieferte er gleich alle möglichen Reaktionen im Erzählverlauf mit: die Schmerzgrenze, die schon mit der Anwerbung zum gleichen Lohn um ‚5 Minuten vor 12‘ bereits bei den Zuhörern überschritten ist, die Rechtfertigungsversuche des Gutsbesitzers, doch nur das Vereinbarte auszuzahlen und nun gleichsam in die Ecke gedrängt, sich auch noch rechtfertigen zu müssen, dass es doch schließlich sein Geld sei. Es könnte genau der Moment gewesen sein, wo es möglicherweise emotional geladen, laut wurde, mit dem Satz ‚Nimm dein Geld und geh!‘ (Vers 14).
Gott/Jesus, hier in den Personen als Gutsbesitzer und Verwalter, gerät in Beweisnot, denn in dem einen Denar ist doch symbolisch das Himmelreich enthalten, was es für weder weniger noch mehr, sondern für alle nur gleich und einzigartig gibt.
Denn darum stritten schon zur Zeit des Evangelisten Matthäus die Altchristen, welche in der Gründungsphase der Gemeinden Verfolgung, Schmach und Nachteile hatten erleiden müssen, mit den Neuchristen, die sich förmlich nach der überstandenen ‚blutigen‘ Anfangsphase sozusagen ins ‚gemachte Nest‘ setzen konnten.
Damals wie heute geht es also um ‚mein‘ Himmelreich, was ich mir gegebenenfalls verdient habe und es geht nicht mehr um die ‚Sache‘ an sich. Folglich zieht Gott/Jesus dann die Notbremse mit dem so ganz unvermittelt dastehenden Schlusssatz ‚So werden die Letzten die Ersten sein‘ (Vers 16a).
Aber auch dieses jesuanische Manifest wissen wir noch typisch menschlich zu nehmen und zwar augenzwinkernd als lapidare Entschuldigung für ein ‚zu spät kommen‘. Gestehen wir doch Gott endlich sein Gott-Sein zu und versuchen nicht, IHN auf unser menschliches Format zu minimieren, sondern nehmen unser Berufen-sein als Christen ernst und stellen uns der ‚Sachfrage‘: Wie bekommen wir den Letzten auf den Ersten Platz gestellt?
Eine Frage die wir in einer 2000jährigen Geschichte der Christenheit schon lange hinreichend hätten beantworten müssen.
Mit Blick auf die Plenardebatte im NRW-Landtag gehen bei nun mehr und mehr Mitbürgern aufgrund von Zahlungsunfähigkeit mittlerweile die Lichter aus und es erfolgt eine Stromsperre.
Emotionen und Egoismen bringen uns hier nicht weiter!
Fragen und Diskussionsbeiträge gerne an: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 25. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Lesung: aus dem Buch des Propheten Jesaja ( 55, 6 – 9 )
Mahnung zur Gottsuche
6 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, / ruft ihn an, er ist nah! 7 Der Frevler soll seinen Weg verlassen, / der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, / damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; / denn er ist groß im Verzeihen.
Vertrauen auf die Wirksamkeit des göttlichen Wortes
8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken / und eure Wege sind nicht meine Wege – / Spruch des HERRN. 9 So hoch der Himmel über der Erde ist, / so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege / und meine Gedanken über eure Gedanken. 10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt / und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, / dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, 11 so ist es auch mit dem Wort, / das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, / ohne zu bewirken, was ich will, / und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.
Evangelium: Matthäus 20, 1 – 16 a
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
1 Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. 2 Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. 3 Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. 4 Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. 5 Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso. 6 Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? 7 Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! 8 Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten! 9 Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. 10 Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar. 11 Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn 12 und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. 13 Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? 14 Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. 15 Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? 16 So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.[1]
