Foto: Diözese Augsburg, Abteilung Pastorale Grunddienste und Sakramentenpastoral, Michaela Wuggazer
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Jan Opiéla – Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
16. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: aus dem Buch der Weisheit 12, 13.16-19 und Evangelium: Matthäus 13, 24-43, 19.12.2026
Persönlich konnte ich mir früher beim Start in die Sommerferien und der aus meiner Sicht dort ziemlich unplatzierten Ausgabe von versetzungsrelevanten Zeugnissen, nie erklären, wo, bei einer für mich, eigentlich ganz netten Leistungsbilanz, dann doch meistens das ‚Unkraut‘ in Form von ausreichend oder gar mangelhaft herkam? Lehrer und meine Eltern hingegen wussten sehr wohl den ‚Feind‘ auszumachen, so dass mein ‚Himmelreich‘ Sommerferien, dann wieder mal einen ganz schönen Knacks erlitten hatte. Doch spielt eine so kleine Schülerglückseligkeit hier überhaupt eine Rolle?
Es ist kaum zu glauben, aber der Evangelist Matthäus will mit den immer wiederkehrenden Worten Jesu ‚Mit dem Himmelreich ist es wie …‘ (vgl. Verse 24, 31, 33) auf die Herrschaft des Himmels, das Reich Gottes hinweisen, was tatsächlich schon unter uns begonnen hat. Es bricht unscheinbar in unserem Alltag an, da wo wir arbeiten, im biblischen Sinne aussäen und ernten und um das Auskommen im Alltäglichen besorgt sind. Gleichfalls bricht das Himmelreich auch nicht groß und gewaltig in unser Dasein ein, sondern entwickelt sich, vom kleinen Unscheinbaren bis dahin, wo es kaum noch als gewaltiger Baum zu übersehen ist. Für die Zeit Jesu scheint das am deutlichsten in der Senfsaat, dem damals wohl kleinsten Samen, der Fall gewesen zu sein. Hier hat möglicherweise auch das biblische Motiv der Zeder des Libanon als äußeres, von Gott selbst gesetztes Zeichen für Stärke und Schutz Pate gestanden, jedoch nun heruntergebrochen auf die kleinen Leute. Zudem wird im Bild des Sauerteiges die göttliche Vorgehensweise aufgezeigt, wo quasi aus dem Verborgenen heraus, im Untergemischt werden, das Reich Gottes seine Wirkung entfaltet, so dass wir uns dann nur in Geduld üben brauchten.
Aus Schülersicht hatte ich wohl zu viel auf das untätige Abwarten in Geduld gesetzt, was dann irgendwann unweigerlich ein Sitzenbleiben und Wiederholen des Schuljahres nach sich zog!
Bei all den schönen Bildworten, die in erster Linie die Selbstermächtigung Gottes deutlich werden lassen, gibt es ja hier auf Erden noch seinen göttlichen Gegenpart, uns Menschen. Und unser Anteil an der Implementierung des Himmlischen hier unter uns, spielt da eine nicht ganz unbedeutende Rolle.
Wer bereitet vor, sät und bearbeitet und wer ist es, der die Zutaten zusammenstellt, den Sauerteig untermengt, ruhen lässt und backt, damit das tägliche Brot uns überhaupt in die Lage versetzt, himmelwärts zu denken? Es sind Menschen so wie Du und Ich, welche die Fixierung auf ein allein irdisches Begrenzt-Sein dauerhaft gesellschaftlich für tödlich halten und dahingehend aktiv werden. Nicht dirigistisch und die bösen Unwilligen gleich von Anfang an mit Stumpf und Stiel auszureißen versuchen, wobei der Kollateralschaden aufgrund der heute kaum noch homogenen christlichen Sozialisation in unseren Familien und Lebensgemeinschaften dann nicht ganz unerheblich sein dürfte.
Doch dieses sich Einbringen, dem Sauerteig gleich, dass scheint uns im kirchlichen Kontext so unglaublich schwer zu fallen und wenn es ‚nur‘ darum geht zurückzutreten, um IHN selbst wirken zu lassen. Wie das aber gehen könnte, zeigt mir da meine neue Tätigkeit als Pfarrvikar in den südwestlichen Stadtbezirken und der Innenstadt von Düsseldorf, wo die St. Martin-Kirche in Unterbilk mitten, auf einer vom Verkehr umbrandeten Insel liegt und die Abendmesse um 18.00 Uhr mit knapp 15 Mitfeiernden woanders kaum mehr zu einer ruhenden, himmlischen Mitte hätte führen können. Besonders da finden sich dann auch anderntags Menschen ein, um in ‚Stiller Anbetung‘ die Präsenz Gottes mitten im Stadtgewühl deutlich werden zu lassen!
Mittendrin, mit dem alten nicht zu übersehenden raumgreifenden Anspruch von Kirche, aber einer neuen Zurückhaltung, die auf IHN und sein Wachsenlassen hoffend setzt.
Fragen und Diskussionsbeiträge bitte an: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 16. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Lesung: aus dem Buch der Weisheit ( 12, 13 . 16 – 19)
13 Denn es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt; / daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast. 14 Kein König und kein Herrscher kann dich zur Rede stellen wegen der Menschen, die du gestraft hast. 15 Gerecht, wie du bist, verwaltest du das All gerecht / und hältst es für unvereinbar mit deiner Macht, / den zu verurteilen, der keine Strafe verdient. 16 Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit / und deine Herrschaft über alles lässt dich alles schonen. 17 Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, / und bei denen, die sie kennen, strafst du die anmaßende Auflehnung. 18 Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde / und behandelst uns mit großer Schonung; / denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst. 19 Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, / dass der Gerechte menschenfreundlich sein muss, und hast deinen Söhnen und Töchtern die Hoffnung geschenkt, / dass du den Sündern die Umkehr gewährst.
Evangelium: Matthäus 13, 24 – 43
Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen
24 Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. 26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. 27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? 28 Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? 29 Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. 30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!
Das Gleichnis vom Senfkorn
31 Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
Das Gleichnis vom Sauerteig
33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.[1]
Die Erfüllung der Schrift in der Gleichnisverkündigung Jesu
34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen, 35 damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, / ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.
Die Deutung des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Weizen
36 Dann verließ er die Menge und ging in das Haus. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker! 37 Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; 38 der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen; 39 der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel. 40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein: 41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. 43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!
