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Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
Fest ‚Taufe des Herrn‘ Lesejahr A (2026) Lesung: Apostelgeschichte 10, 34 – 38 und Evangelium: Matthäus 3, 13 – 17
Der ‚Limbus puerorum‘, also der ‚äußere Kreis der Hölle‘ galt bis dato als der Aufenthaltsort für die Seelen der ungetauft verstorbenen Kinder und der wenig Vernunftbegabten, welche keine Sünde begehen konnten und im Zeitpunkt des Todes lediglich den Folgen der Erbsünde unterlagen. Ein Konstrukt, was mit der Erbsündenlehre seit Augustinus durch die Theologie geisterte und erst 2007 von Papst Benedikt XVI. zu einer „nicht vom kirchlichen Lehramt unterstützten älteren theologischen Meinung“ erklärt wurde. Dies unterstreicht im Nachhinein indirekt die Ansicht des Weltkatechismus von 1992, wo der Begriff des Limbus schon gar nicht mehr zu finden ist, und die Kirche die ungetauft verstorbenen Kinder nunmehr mittels ihres offiziellen Begräbnisritus allein der Barmherzigkeit Gottes anvertraut. Dementsprechend liegt der Kirche auch so sehr daran und „bittet (sie) die Eltern eindringlich, die Kinder nicht daran zu hindern, durch das Geschenk der heiligen Taufe zu Christus zu kommen“ (KKK 1261). Letztendlich heißt das, wenn wir im Bild einer doppelt gesicherten Tür zum Himmelreich bleiben wollten, dass zunächst diejenigen aufschließen, die uns zur Taufe bringen und es dann mir mit meinem Lebenswandel obliegt, das weitere Schloss öffnen zu können!
Da ist es, wie hier im Evangelium, dann schon verwunderlich, dass nun Gott selbst sich in der Person Jesus taufen lässt, zumal er ja schon wesentlicher Teil des Himmels ist. Zumal die Frage nach katholisch oder evangelisch damals noch nicht im Raum stand und Jesus bis zu seinem letzten Atemzug in der Tat Jude gewesen ist, muss die Taufe des Johannes in einem ganz anderen Zusammenhang gesehen werden. Vielleicht auf dem historischen Hintergrund, dass es zum einen damals schon ein Ranking zwischen den Johannes Anhängern und der Jesus Gruppe gab und sich zum andern der eine Gott in den drei Personen kaum vermitteln ließ, so dass ein recht einfacher Erklärungsansatz der Adoptionisten die Runde machte, wonach Gott, das Menschenkind Jesus als seinen geliebten Sohn adoptiert hatte.
Wenn es also heißt, dass Johannes nachgab (s. Vers 15), dann benutzt der Evangelist Matthäus diesen indirekt als Willfährigen, damit Jesus „die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen kann“ (s. Vers 15), womit nach jüdischem Recht deutlich wird, dass er seiner Sache gerecht wird und das Zugesagte ohne ‚wenn und Aber‘ erfüllt, beginnend mit der Annahme der Schuld und sein Menschsein durchträgt bis zum Tod am Kreuz. Damit wird deutlich, dass hier der bußfertige Untertauchritus des Johannes ohne konkrete Heilsaussichten dem vielversprechenden Ansatz einer göttlichen Rettung weichen musste. Zusätzlich wird das mit der Stimme aus dem himmlischen Off unterstrichen, die eben nicht ruft, das ‚wird‘ mein geliebter Sohn, sondern spricht, der hier später eingefügte Text ganz bewusst von einem ‚ist‘ (s. Vers 17), um so jeglichen Anklang einer Adoption auszuschließen. Doch welchen Sinn könnte diese immer wieder irreführend als ‚Taufe‘ bezeichnete Szene für uns heute machen?
Taufe kann demnach nicht nur Untertauchen sein, um die ererbte Schuld aufgrund der Rebellion Adam und Evas im Paradies gegen Gott abzuwaschen und somit möglicherweise als ‚Heidenkind‘ der ‚Vorhölle‘ (Limbus puerorum) entgangen zu sein, sondern fordert mehr!
Was zeichenhaft in der Taufliturgie das weiße Kleid und die Salbung mit Chrisam (Christus = der durch Salbung Herausgehobene) einfordert, eben als geliebtes Kind Gottes sich von IHM den Lebensweg beschreiben zu lassen und zielgerichtet mit Blick auf die Ewigkeit auch durchzuhalten.
Zur Diskussion und für Rückmeldungen bitte E-Mail an: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum Fest ‚Taufe des Herrn‘ Lesejahr A‘26
Lesung: Apostelgeschichte 10, 34 – 38
Die Taufe des heidnischen Hauptmanns Kornelius
23 Da ließ er sie eintreten und nahm sie gastlich auf. Tags darauf machte er sich mit ihnen auf den Weg und einige Brüder aus Joppe begleiteten ihn. 24 Am folgenden Tag kamen sie nach Cäsarea. Kornelius erwartete sie schon und hatte seine Verwandten und seine nächsten Freunde zusammengerufen. 25 Als nun Petrus ankam, ging ihm Kornelius entgegen und warf sich ihm ehrfürchtig zu Füßen. 26 Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch. 27 Während er sich mit ihm unterhielt, ging er hinein und fand dort viele Menschen versammelt. 28 Da sagte er zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten; mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf. 29 Darum bin ich auch ohne Widerspruch gekommen, als nach mir geschickt wurde. Nun frage ich: Warum habt ihr mich holen lassen? 30 Da sagte Kornelius: Vor vier Tagen um diese Zeit war ich zum Gebet der neunten Stunde in meinem Haus; siehe, da stand ein Mann in einem leuchtenden Gewand vor mir 31 und sagte: Kornelius, dein Gebet wurde erhört und deiner Almosen wurde vor Gott gedacht. 32 Schick jemanden nach Joppe und lass Simon, der den Beinamen Petrus hat, holen; er ist Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer. 33 Sofort habe ich nach dir geschickt und es ist gut, dass du gekommen bist. Jetzt sind wir alle hier vor Gott zugegen, um all das anzuhören, was dir vom Herrn aufgetragen worden ist. 34 Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, 35 sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. 36 Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller. 37 Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: 38 wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. 39 Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. 40 Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, 41 zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott
vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. 42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. 43 Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt. 44 Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. 45 Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. 46 Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen. Petrus aber sagte: 47 Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben? 48 Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.
Evangelium: Matthäus 3, 13 – 17
Die Taufe Jesu
13 Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 14 Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir? 15 Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. 16 Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. 17 Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.
