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Jan Opiéla, Präses der Katholischen Landvolkbewegung
im Erzbistum Köln
24. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: aus dem Buch Jesus Sirach (27, 30 – 28, 7) und Evangelium: Matthäus (18, 21 – 35), 13.09.2026
Als wenn es die Debatte mit einem zum Teil heftigen Für und Wider nie gegeben hätte, so selten begegnet uns noch das Gender*chen und haben SprecherInnen in TV und Radio mitten im Wort kaum noch seltsame Sprachaussetzer.
In Kirche werden bisweilen zur Eröffnung der Lesung zaghaft auch schon die ‚Schwestern‘ mit angesprochen, doch im laufenden Text sind es dann ausschließlich die ‚Brüder‘. Gott, bleibt ‚Vater‘, denn wo kämen wir beim ‚Vater, unser …‘ auch hin? Kann es sein, dass wir Gott nicht ganz ernst nehmen, der ja in sich animus und anima vereint und wir ihm sogar gleich geschaffen sind? Zumindest versuche ich das minimalistisch in der liturgischen Begrüßung deutlich zu machen, mit einem „Gott, der uns ist wie Mutter und Vater“ und so zumindest die Anima nicht unterschlage.
Es geht also nicht um das Äußere, also ‚Wer‘ ist Gott, sondern um sein Wesen, das ‚Wie‘. Genau das versucht im heutigen Evangelium mit der Frage, „Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt?“ (Vers 21) Petrus auszuloten. Da er schon so eine leise Vorahnung mittels Blicks auf Jesu Umgang mit den Menschen gehabt haben musste, legte er auf das jüdische Vergebungsmaß von drei, gleich noch mal vier drauf, nach dem Motto: ‚dann ist es aber gut … und Schwamm drüber‘! Und da die völlig überraschende Antwort mit 77mal absolut unrealistisch ist, kann es demnach nicht auf die Quantität ankommen, sondern muss die Qualität die entscheidende Rolle spielen und ist demnach die Grundhaltung des Vergebens ausschlaggebend.
Genau das arbeitet ganz sinnenfällig die von Jesus benutzte Lehrgeschichte (Parabel) heraus, wenn der erlassenen Fantasie-Summe von umgerechnet ca. 21 Mio. €, ungefähr 35,- € gegenüberstehen, die dann auch noch mit grausamsten Methoden eingefordert werden sollen. Verständlich, dass Jesus so extrem reagiert, wenn nun der König in seinem Zorn den Knecht, der so viel Großzügigkeit erfahren hat und im Kleinen selbst nicht hat walten lassen, den Folterknechten übergab und dann die Parallele zieht „… ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln …“ (Vers 35).
Doch genau dieser Vers scheint wieder das alte Bild hervorzurufen, was viele der älteren Generationen von klein an durch ihr kirchliches Dasein begleitet, dass Gott, hier in der Lehrgeschichte als ‚König‘, doch ein rächender und strafender Gott sein muss. Das jedoch stellt der Evangelist deshalb nur so da, um uns im Verhalten Gottes widerzuspiegeln, wie wir selbst sind. Denn uns scheint es bis auf den heutigen Tag noch nicht vollständig gelungen zu sein, eine qualitative Grundhaltung des Vergebens eingenommen zu haben.
Demnach muss ich mich also ändern, und eben nicht nur ein bisschen, möglicherweise noch mehr oder gar viel mehr, sondern radikal. Und das ist die Essenz, der vom Evangelisten übermittelten Parabel, wo der Mensch Petrus fragt und Jesus, folglich Gott, antwortet und damit hier über sein Wesen Auskunft gibt, uns also einen Einblick in sein ‚Sein‘ ermöglicht.
Doch wie zu diesem Perspektivwechsel, der Blickänderung kommen, dass Gott selbst die Güte ist? Sicher spielt Erfahrung eine Rolle, wenn ich sie dann beizeiten zu erinnern weiß und womöglich in meine augenblickliche Entscheidung mit einbeziehen kann. Für den Weisheitslehrer Jeus Sirach in der Lesung aus dem Alten Testament ist es hingegen keine Entscheidung, wenn man sein Handeln vom eigenen Lebensende her betrachtet. Da ist der Bund mit Gott, in den wir dann eingehen, das entscheidende Kriterium, welches der Mensch auf keinen Fall aufs Spiel setzen darf. Besonders widersinnig ist für ihn, in den aufreibenden Auseinandersetzungen um sein eigenes Recht, womöglich vom Zorn aufgebracht, ausgerechnet dann beim Herrn Ruhe und Heilung zu suchen!
Manchmal wird es halt ein Leben brauchen, bis wir begreifen können, dass die Güte Gottes von Anbeginn schon alles, was wir schätzen überstiegen hat und ich von daher hätte schon lange ein(e) Vergebende(r) sein können.
Fragen und Diskussionsbeiträge gerne an: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 24. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Lesung: aus dem Buch Jesus Sirach ( 27, 30 – 28, 7 )
Geheimnisverrat und Hinterlist
16 Wer Geheimnisse verrät, zerstört das Vertrauen, / er findet nie mehr einen Freund, der zu ihm steht. 17 Liebe den Freund und vertraue ihm! / Hast du seine Geheimnisse verraten, / laufe ihm nicht mehr nach! 18 Denn wie ein Mensch seinen Feind vernichtet hat, / so hast du die Freundschaft des Nächsten vernichtet. 19 Wie du einen Vogel aus deiner Hand hast fliegen lassen, / so hast du den Nächsten aufgegeben und wirst ihn nie mehr einfangen. 20 Lauf ihm nicht nach, denn er ist schon weit entfernt, / wie eine Gazelle aus der Schlinge ist er entflohen. 21 Eine Wunde lässt sich verbinden / und für eine Beleidigung gibt es Versöhnung, doch wer Geheimnisse verraten hat, hat keine Hoffnung. 22 Wer mit dem Auge zwinkert, plant Böses, / niemand bringt ihn davon ab.[1] 23 Für deinen Blick wird sein Mund alles versüßen / und er bewundert deine Worte; nachher aber wird er seinen Mund verziehen / und macht, dass deine Worte Anstoß erregen. 24 Vieles ist mir verhasst, aber nichts ist mit ihm vergleichbar; / auch der Herr wird ihn hassen. 25 Wer einen Stein in die Höhe wirft, trifft seinen eigenen Kopf, / und wer hinterlistig schlägt, reißt Wunden auf. 26 Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, / wer eine Schlinge legt, verfängt sich in ihr. 27 Wer Böses tut, auf den rollt es zurück / und er weiß nicht, woher es ihm kommt. 28 Spott und Schimpf treffen den Hochmütigen, / wie ein Löwe lauert die Rache auf ihn. 29 In der Schlinge werden gefangen, die sich am Fall der Frommen erfreuen, / der Schmerz verzehrt sie vor ihrem Tod. 30 Groll und Zorn, auch diese sind Gräuel / und ein sündiger Mann hält an ihnen fest.
Zorn, Streit und Vergebung
1 Wer sich rächt, erfährt Rache vom Herrn / seine Sünden behält er gewiss im Gedächtnis. 2 Vergib deinem Nächsten das Unrecht, / dann werden dir, wenn du bittest, deine Sünden vergeben! 3 Ein Mensch verharrt gegen einen Menschen im Zorn, / beim Herrn aber sucht er Heilung? 4 Mit einem Menschen gleich ihm hat er kein Erbarmen, / aber wegen seiner Sünden bittet er um Verzeihung? 5 Er selbst – ein Wesen aus Fleisch, verharrt im Groll. / Wer wird seine Sünden vergeben? 6 Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft, / denk an Untergang und Tod und bleib den Geboten treu! 7 Denk an die Gebote und grolle dem Nächsten nicht, / denk an den Bund des Höchsten und übersieh die Fehler!
Evangelium: Matthäus 18, 21 – 35
Über die Pflicht zur Vergebung
21 Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? 22 Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal. 23 Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen.[2] 24 Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. 25 Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. 26 Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. 27 Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. 28 Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist! 29 Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. 30 Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. 31 Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. 32 Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. 33 Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? 34 Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. 35 Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.
