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Pfarrer Jan Opiéla Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
2. Sonntag der Osterzeit A (2026) ‚Weißer Sonntag‘ Lesung: Apostelgeschichte 2, 42-47 und Evangelium Johannes 20, 19-31, 12.04.2026
„Glaubst du an die Auferstehung?“ kam die Frage so ganz unverhofft inmitten von Kartons und schon leer geräumten Regalen unserer Dienststelle für die ‚Seelsorge mit Roma und Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn, die wir gerade leerräumen und dann für immer schließen. Ulrike und ich, wir sind über Jahre ein eingespieltes Team und unser ausgiebiges, selbstfabriziertes Arbeitsessen einmal in der Woche im Büro hat sich zu dem Informations- und Diskussions-Dreh- und Angelpunkt herausgebildet, von daher die Nachfrage, „Ist da noch was, nach dem Tod?“.
Wie der sogenannte ‚ungläubige‘ Thomas legt sie förmlich den Finger in die offene (Frage) Wunde und da der Nachtisch noch wartet, ist ein Ausweichen kaum möglich. Ein eindeutiges JA hätte sie mir nicht abgenommen, denn dafür kennen wir uns über die vielen geführten Diskurse zu gut. Mit einem NEIN würde ihr wissenschaftlicher Instinkt sie gleich nach meinem persönlichen Erfahrungshintergrund für all die ‚Sonntags-GE-danken‘ fragen lassen, folglich bleibt ein, „es kommt darauf an“ übrig, was aber eher aus der Juristerei bekannt ist.
In der Tat scheint das Ausfallen der Antwort aber mitunter völlig situativ zu sein, wie ich in den gerade gehäuft anfallenden Kondolenzgesprächen mit Hinterbliebenen erfahren durfte. So konnten und wollten die einen im Angesicht ihres geliebten Verstorbenen im Sarg keines der bekannten Oster-Auferstehungslieder singen, andere baten, dem zuletzt geäußerten Willen auf alle Trauerkleidung zu verzichten oder lehnten gar Blumen und Kränze ganz ab, um sich nur auf das Vergehen der still herunterbrennenden Kerzen zu konzentrieren. Völlig überrascht war ich nach der kleinen Verabschiedungsfeier vor der Kremierung, als wir danach beim Gespräch vor einem vom Verstorbenen bis ins Detail selbst durchdachten Auferstehungsgottesdienst saßen, was mich unmerklich innerlich tief berührte, weil ich es kaum vermutet hätte. Ebenso bei meinem Freund und Kollegen Klaus, der mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern unnachgiebig signalisierte, dass nun ein Nachtgespräch über Gott und die Welt, aber kaum – wie ich erinnern kann – über das Leben nach dem Tod anstand. Um so mehr habe ich ihm in den letzten Tagen und Wochen seines sukzessiven Ablebens ehrfurchtsvoll den immer und immer wieder geäußerten Satz „Ich glaube an die Auferstehung“ abgenommen. Auf seiner Grabplatte sind diese Worte dann zum Kreuzsymbol geworden, wovon sich der gekreuzigt-auferstandene Korpus ablöst und dem Betrachtenden zuwendet (Abbildung s. unten). Folglich kommt es also darauf an, wieviel innere Beschäftigung und Reflexion ich zulasse und mir zugestehe, um aus diesem Exzerpt meinen Glauben an die Auferstehung formulieren zu können.
Selbst wenn die Bibel uns bis heute schon mit insgesamt fünf Berichten von Begegnungen des Auferstandenen konfrontiert hat, kann sie dennoch keinen Glauben liefern, zumal eine Identifizierung mit den papierenen Glaubensboten schwierig bleibt. Was sich auch dann nicht ändert, wenn nun noch die Theologie vier verschiedene methodische Ansätze der Schrift herauskristallisiert: im Brotbrechen das Identitäts-Motiv; im Auferstandenen nun den ‚Gärtner‘ zu erblicken, bezeichnet als Fremdheits-Motiv; das Leiblichkeits-Motiv, wenn der Auferstandene nun nach gebratenem Fisch verlangt; oder das Sendungs-Motiv als Identitätsmerkmal des Auferstandenen, wenn Jesus stereotyp mit den Worten zur Mission auffordert, ‚wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch‘.
Keine Beweisführung welche die Theologie da für eine reale Auferstehung liefert, wohl aber eine Vergewisserung, womit ich mein Glaubensgerüst versteifen könnte, um mich so argumentationssicherer zu machen, nach außen wie nach innen, denn irgendwann reicht die Zeit nicht mehr für ein
„es kommt darauf an“!
Zur Diskussion und für Rückmeldungen: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 2. Sonntag in der Osterzeit Lesejahr A‘ 2023
Lesung: Apostelgeschichte 2, 42 – 47
Erste Bekehrungen
… 42 Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.
Das Leben der jungen Gemeinde
43 Alle wurden von Furcht ergriffen; und durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. 44 Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. 45 Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte. 46 Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens. 47 Sie lobten Gott und fanden Gunst beim ganzen Volk. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.
Evangelium: Johannes 20, 19 – 31
Die Erscheinung Jesu vor allen Jüngern am Osterabend
19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. 21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Eine weitere Erscheinung Jesu und der Glaube des Thomas
24 Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.[3] 25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. 26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! 27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Erster Schluss des Johannesevangeliums
30 Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. 31 Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

