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Pfarrer Jan Opiéla – Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
14. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: Brief des Apostel Paulus an die Römer 8, 9.11-13 Evangelium: Matthäus 11, 25-30, 05.07.2026
‚Wie ist denn der drauf!?‘ denkt man sich heute, wenn einer in unserem Umfeld solche Sprüche, wie im heutigen Evangelium, raushaut. Nichts scheint da richtig zusammenzupassen, besonders lässt sich das so mit der Person Jesu, wie bisher in Erscheinung getreten, gar nicht in Verbindung bringen, es sei denn er verschafft sich hier Luft, weil er ‚stink sauer‘ ist!
Genau das ist der Fall, zumal Jesus sich mit seiner ‚wunder‘-samen Überzeugungskraft (Heilungen, Austreibungen) für die Umkehr zum ‚neuen Weg‘ in den galiläischen Städten Chorazin, Bethsaida und Kafarnaum so ins Zeug gelegt hatte, aber hauptsächlich auf Ablehnung gestoßen war. Folglich bekommen deren Verantwortliche es nun ab, hier die ‚Weisen und Klugen‘ (Vers 25), die rabbinischen Schriftgelehrten und Pharisäer, da sie lieber der Schrift (unser Altes Testament) trauten und aus ihr das zukünftige Handeln Gottes ableiteten, anstatt es in der Person Jesu bereits schon als angebrochen zu erkennen. Für sie ließ sich seine Art, den Menschen auf ‚Augenhöhe‘ zu begegnen, kaum mit dem Bild von Gott überein bringen, was sie einem großen und übermächtigen, mitunter rächenden Gott meinten, zuschreiben zu müssen.
Den Unmut darüber bringt Jesus in bisher ungewohnter Weise, als Lobpreis Gottes über die Unmündigen zum Ausdruck, denen dieser, im Gegensatz zu den Intellektuellen der damaligen Zeit, eben alles offenlegen konnte (vgl. Vers 25). Die ‚Unmündigen‘ waren aufgrund fehlender Kenntnis der Schrift weniger auf ein Gottesbild festgelegt und damit offener für die Berührbarkeit Gottes in der Person Jesu. Denn in der Tat, selbst wenn wir Menschen noch so viele Theorien über die Erkenntnis Gottes anhäufen, kennt niemand ‚den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will‘ (Vers 27). Demnach wäre Gott zunächst einmal in einem Beziehungsgeflecht erkennbar, was eben nur dann gelingen wird, wenn ich mir nicht schon ein festes Bild von Gott gemacht habe und gleichzeitig offen bin für eine Begegnung mit IHM. Unter diesen Voraussetzungen sind nun diejenigen geladen, ‚die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt‘, besonders ihnen möchte Jesus ‚Ruhe verschaffen‘ (Vers 28). Gemeint sind alle, welche an der pharisäischen Gesetzesfrömmigkeit und rabbinischen Thoraauslegungen schwer zu tragen haben und geplagt werden von der Gebotsvielfalt am Sabbat und nicht zuletzt den religiösen Regelungen bis in kleinste Details des Alltags hinein.
Umso erstaunlicher, dass dann in unseren Tagen wieder eine völlig in Theologie und überkommenen liturgischen Feiern erstarrte ‚Piusbruderschaft‘ den, diesmal mit einem umfassenden Schisma belegten Aufstand proben kann, gestützt auf eine in Deutschland und besonders in Frankreich rasch wachsende junge Gefolgschaft. Denn mit dem Angebot Jesu, nun ‚sein Joch‘ auf sich zu nehmen, was vielleicht weniger drückt (vgl. Verse 29 u. 30) sind eben nicht alle Schranken gefallen, wie die Traditionalisten wohl meinen, es sei denn, man wolle sich jeglicher Auseinandersetzung mit Gott und Glaube entledigen. Denn mit einem sich ‚unter das Joch begeben‘ ist ursprünglich die Auseinandersetzung mit der Erkenntnis Gottes gemeint, die eben nicht so ohne weiteres vom Himmel fällt, sondern von mir selbst, ganz persönlich erarbeitet werden muss.
Da aber bei uns die personale Gottesbegegnung ausfällt, sind wir ausschließlich auf die Heilige Schrift und die Tradition der Kirche angewiesen. Doch zunehmend sind die Menschen da kritisch geworden, ob sich in einer so festgefahrenen Institution ‚Kirche‘, Gott überhaupt noch finden lassen kann. Nein, wenn ich ‚Kirche‘ als monolithisch hierarchische Einheit denke; hingegen besteht die Möglichkeit immer dann, wenn wir ein ‚Beziehungsgeflecht‘ leben in dem wir (alle!) uns auf Augenhöhe im Glauben und gelebter Liturgie kommunikativ begegnen. Von daher bekommt in unserem Text das Wort ‚Kommt‘ (Vers 28) eine ungeahnte Rolle. Denn wenn wir in kritischer Distanz verharren, wird nichts geschehen und bleibt Gottesbegegnung zunehmend dem Eventhaften überlassen, ganz gleich ob charismatisch oder ultrakonservativ ausgerichtet.
Zur Diskussion und für Rückmeldungen: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 14. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Lesung: aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer ( 8, 9 . 11 – 13 )
1 Jetzt also gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind. 2 Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes. 3 Denn weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte, sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, das unter der Macht der Sünde steht, wegen der Sünde, um die Sünde im Fleisch zu verurteilen; 4 dies tat er, damit die Forderung des Gesetzes durch uns erfüllt werde, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben. 5 Denn diejenigen, die vom Fleisch bestimmt sind, trachten nach dem, was dem Fleisch entspricht, die aber vom Geist bestimmt sind, nach dem, was dem Geist entspricht. 6 Denn das Trachten des Fleisches führt zum Tod, das Trachten des Geistes aber zu Leben und Frieden. 7 Denn das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott; es unterwirft sich nämlich nicht dem Gesetz Gottes und kann es auch nicht. 8 Wer aber vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen. 9 Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer aber den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm. 10 Wenn aber Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit. 11 Wenn aber der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.
Erfülltes Leben der Söhne und Töchter Gottes
12 Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder und Schwestern, sodass wir nach dem Fleisch leben müssten. 13 Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben. 14 Denn die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes. 15 Denn ihr habt nicht einen
Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater![1] 16 Der Geist selber bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. 17 Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.
Evangelium: Matthäus 11, 25 – 30
Der Lobpreis Jesu
25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. 26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen. 27 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. 28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. 29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. 30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
