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Sonntags Ge-danken

by Wilfried Römer / Samstag, 23 Mai 2026 / Published in Geistlicher Impuls

Zeltlager zu Pfingsten

Copyright / Urheber
Erzbistum Köln © Theresa Schipper

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Jan Opiéla
Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln

PFINGSTEN im Jahreskreis A (2026) zur Lesung: Apostelgeschichte 2, 1 – 11 und zum Evangelium: Johannes 20, 19 – 23

Kann es sein, dass es eine Verbindung zwischen ‚Tankrabatt‘ und Heiligem Geist gibt? Einmal davon abgesehen, dass vielleicht die schwarz/rote Koalition von einem Geistesblitz getroffen wurde und die Tankvergünstigung doch dann recht einmütig beschlossen wurde, bedarf es darüber hinaus schon eines genaueren Hinschauens.

Da nach den üblichen repräsentativen Umfragen vor den großen Feiertagen für nur noch ganze 5% der Bevölkerung an Pfingsten religiöse Aktivitäten oder Gottesdienstbesuche eine Rolle spielen, scheint der größere Teil anderweitig beschäftigt, wenn nicht sogar ‚auf Achse‘ zu sein.

Denn nur für absolute kirchliche Insider und Bibelkundige ist präsent, was uns die Apostelgeschichte berichtet, wonach das kleine Häuflein der hoffenden Freunde und Freundinnen von Jesus nun schon seit der österlichen Auferstehung, fünfzig Tage lang betend, in Angst zusammengekauert dasaß und demnach immer noch von allen ‚guten Geistern‘ verlassen schien. Bis zu dem Moment wo ‚Zungen wie von Feuer‘ (Apg 2,3) sich auf ihnen verteilten und sie dieses Phänomen einander wahrnahmen, was dann ungeahnte Turbulenzen auslöste. Mögen es Ausrufe des Entsetzens oder Erstaunens, gar Gelächter oder Freudenschreie gewesen sein, auf jeden Fall war es ein so lautes Getöse, dass vorbeigehende Passanten darauf aufmerksam wurden und ein jeder und jede dies auch gleich in rechter Weise für sich einzuordnen wusste, ohne dass große Erklärungs- oder Übersetzungshilfen notwendig waren (vgl. Apg 2,6). Damit war Gott, der bereits mit seiner Wirkmächtigkeit und darüber hinaus mit der an den Tag gelegten Identität als Mensch, mit Jesus an seine Grenzen gestoßen und spielte nun seinen letzten Trumpf aus, den Hl. GEIST.

Nicht dass dadurch jetzt die Frommen zu Superfrommen aufsteigen sollten, sondern ganz im Gegenteil, bedient sich Gott der Fähigkeiten von jedermann und jeder Frau, die ihre Bewährung im ganz alltäglichen Leben bereits gefunden haben. Eben alle, die vom Geist erfüllten, welche verkündeten und die, welche be-Geist-ert zuhören und verstehen konnten, waren gleichermaßen vom pfingstlichen Ereignis umfasst. Dem ‚Tankrabatt‘ gleich, verfährt Gott hier im Gießkannen-Prinzip und teilt so die Meinung des Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Mirsch, nicht, für den die soziale Gerechtigkeit hier einen Zuteilungsschlüssel abgeben müsse.

Das, was für das gerechte Zusammenspiel einer Gesellschaft sinnvoll erscheinen mag, bringt uns in der Kirche in umgekehrt proportionaler Form, als die ‚Alternative‘ zur Gesellschaft in eine Schräglage! Wenn nun manche (Männer!) meinen, dass aufgrund des Amtsbonus sie mit einem Mehr an Geist versehen wären, dann ist so das pfingstliche Gründungsmoment von Kirche, was wir mit diesem Hochfest feiern, völlig falsch verstanden. Mit den fatalen Folgen bis heute, die sich wie ein roter Faden durch die Kirchengeschichte ziehen, dass nun mit dem immer weniger Werden von Priestern, uns die Eucharistie, das Sinnstiftende von Kirche, so nach und nach entzogen wird!

Möglicherweise würden wir den bewegenden Geist in seiner ursprünglich begeisternden Form sogar dort eher antreffen, wenn wir den Autos mit Fahrradträgern, Wohnwagenkolonnen, Kanuanhängern, Motorradgruppen, Pferdetransportern oder den mit jungen Leuten vollbesetzten Kleinbussen, obenauf das Zeltmaterial, zu ihren Zielorten folgen würden. Dort ist Geist Gottes wahrscheinlich weniger in formgebender Liturgie begreifbar, aber spürbar in vereinter Leidenschaft (Passion), welche die Be-Geist-erten alle Anreise-Hürden und unvorhersehbaren Wetter-Unbilden überwinden lässt und allein beseelt von einer Idee, die alle in der Gruppe gleichermaßen teilen.

Für Fragen, Diskussion und Rückmeldungen: jan.opiela@web.de

Biblische Texte zum Hochfest PFINGSTEN im Lesejahr A (2026)

Lesung: Apostelgeschichte ( 2, 1 – 11 )

Das Pfingstereignis

1 Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. 2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. 4 Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. 5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. 7 Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? 8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: 9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, 10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. 12 Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten? 13 Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.

Evangelium: Johannes ( 20, 19 – 23 )

Die Erscheinung Jesu vor allen Jüngern am Osterabend

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. 21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

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