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Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
27. Sonntag im Jahreskreis C (2025) Lesung: aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus am Timótheus 1, 6-8 . 13-14 und Evangelium: Lukas 17, 5-10, 05.10.2025
Gerade ins Gespräch gekommen, wird mir versichert, dass man gläubig sei, auch ohne den sonntäglichen Gottesdienstbesuch. Was ich regelmäßig dann mit einem wohlwollenden, ‚das macht doch nichts!‘ quittiere, denn jegliche kritische Einlassung würde das Gespräch mit mir als Kirchenvertreter höchstwahrscheinlich schneller beenden als mir in diesem Fall lieb wäre.
Doch bei genauem Hinsehen macht das selbstbestimmte Aussetzen der immer noch geltenden ‚Pflicht zum Sonntagsgottesdienst‘ für Mitglieder unserer Kirche dann doch etwas, zumal es inzwischen massenhaft geschieht: eine ‚Kirche‘ ohne lebendige Gemeinschaft!
Das ‚himmlische Bodenpersonal‘ verwaltet leerstehende Gottesdienstgebäude und ungenutzte Liegenschaften, führt notwendige sakramentale Dienstleistungen zum vermeintlichen Erhalt des Mitgliederbestandes durch und stellt das flächendeckende Feiern von Heiligen Messen sicher, obwohl angesichts fehlender Beteiligung keine rechte Feierlaune mehr aufkommen will. Letztendlich steht dann der ‚Verdunstung des Glaubens‘ nichts mehr im Weg und schlussendlich läuft es auf einen Ausfall des Christlichen im gesellschaftspolitischen Leben heraus. Da ist dann vielleicht doch die Frage angebracht, ob das getaufte und womöglich auch ganz selbstbewusst gefirmte Kirchenmitglied, der Gemeinschaft und dem alles darauf bezogenen Gott, nicht doch etwas schuldig ist?
Im Evangelium nach Lukas gibt es zu diesem Thema nur einen Vergleich mit dem Sklaventum zur Zeit Jesu, wenn es da heißt, ‚Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan‘ (Vers 10). Aus dem zeitlichen Kontext herausgelöst, jedoch uns heute immer noch befremdlich genug, haben wir in der Nachfolge Jesu stehend ohne Wahl das in die Tat umzusetzen, was uns die biblische Botschaft im Beispiel Jesu vorgibt. Das ist letztendlich nur die Konsequenz, welche sich aus dem Glauben ganz selbstverständlich ergibt. Und da die Freunde Jesu nach der Stärkung eben dieses Glaubens fragen, liegt es nahe, dass der Evangelist Lukas nun durch den Mund Jesu seinen Zeitgenossen deutlich zu verstehen gibt, was es heißt, gläubig in der Nachfolge Christi in einem heidnischen oder synkretistischen Umfeld zu sein. Doch selbst wenn wir uns einsetzen, bleibt angesichts der Überfülle von göttlicher Gnade die menschliche Leistung zur vermeintlichen Erlangung des Himmelreiches ‚unnütz‘ (Vers 10), im Sinne eines ‚ist überhaupt nicht nötig‘. Das brachte schon der Reformator Johannes Calvin (1509 -1564) auf den Punkt, wenn er sagt, ‚Wir gehören Gott mit allem was wir sind, darum ist es dumm, mit Gott abrechnen zu wollen‘. Doch die Strenge dieses Wortbildes vom ‚Sklaven‘, findet sich in dem wie unverbunden vorangestellten Bild vom ‚Maulbeerbaum und dem Senfkorn‘ nicht wieder, wo es um die Glaubensintensität geht. Denn hier werden uns jegliche Leistungsängste genommen, zumal wenn mein Glaube selbst nur in Senfkorngröße ausgebildet, einen Maulbeerbaum aus dem Boden zu heben vermag (vgl. Vers 6). Lukas bedient sich hier eines klassischen ‚Paradoxon‘, denn die Senfsaat bildet kaum Wurzeln aus und ist der Maulbeerbaum hingegen tief in der Erde gegründet, um so das Spannungsverhältnis von göttlicher Gnade und menschlichem Leistungsdenken deutlich herauszustellen.
In letzter Konsequenz bedürfte es also keiner sogenannten ‚Kirchengebote‘, wenn wir unser Leben aus dem permanenten Bewusstsein dieser offenherzigen Größe Gottes heraus gestalteten, die uns dann ganz selbstverständlich zu Dank und Lobpreis mit allen Gleichgesinnten bewegen würde.
‚Kirche‘ also im ursprünglichen Sinne als die Gemeinschaft all derer, welche aufgrund einer besonderen Gottesbegegnung ‚herausgerufen‘ sind. (aus dem Griechischen: ekkalein – ekklesia = Kirche)
Für Fragen, Diskussion und Rückmeldungen: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 27. Sonntag im Jahreskreis C (2025)
Lesung: aus dem zweiten Brief des Apostel Paulus an Timótheus 1, 6-8.13-14
Ermutigung zu furchtlosem Zeugnis
6 Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist! 7 Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 8 Schäme dich also nicht des Zeugnisses für unseren Herrn und auch nicht meiner, seines Gefangenen, sondern leide mit mir für das Evangelium! Gott gibt dazu die Kraft: 9 Er hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Taten, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde; 10 jetzt aber wurde sie durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus offenbart. Er hat den Tod vernichtet und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium, 11 als dessen Verkünder, Apostel und Lehrer ich eingesetzt bin. 12 Darum muss ich auch dies alles erdulden; aber ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich Glauben geschenkt habe, und ich bin überzeugt, dass er die Macht hat, das mir anvertraute Gut bis zu jenem Tag zu bewahren. 13 Als Vorbild gesunder Worte halte fest, was du von mir gehört hast in Glaube und Liebe in Christus Jesus! 14 Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt!
Evangelium: nach Lukas 17, 5 – 10
Vom Zusammenleben im Glauben
1 Er sagte zu seinen Jüngern: Es ist unvermeidlich, dass Ärgernisse kommen. Aber wehe dem, durch den sie kommen! 2 Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er für einen von diesen Kleinen zum Ärgernis wird. 3 Seht euch vor! Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er umkehrt, vergib ihm! 4 Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will umkehren!, so sollst du ihm vergeben. 5 Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben! 6 Der Herr erwiderte: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen. 7 Wenn einer von euch einen Knecht hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Komm gleich her und begib dich zu Tisch? 8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe; danach kannst auch du essen und trinken. 9 Bedankt er sich etwa bei dem Knecht, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? 10 So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.
