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Sonntags Ge-danken

by Wilfried Römer / Samstag, 15 August 2026 / Published in Geistlicher Impuls

Foto: Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte, Universität Hamburg


Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Jan Opiéla
Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln

20. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Evangelium: Matthäus 15, 21 – 28 Lesung: Jes 56, 1 . 6 – 7, 16.08.2026

Die völlig neu gestaltete Dauerausstellung im ‚Haus der Geschichte‘ in Bonn, die ich zusammen mit der kfd Angermund besuchte, hat Erinnerungen wachgerufen und Nachdenklichkeit ausgelöst. Besonders der Bereich der aufbrechenden Protestbewegungen in der BRD, wo das Motto ‚Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren‘, artig von zwei fein gestriegelten Jura-Studenten auf einem Transparent beim Einzug ins Audi-Max zur feierlichen Amtsübergabe des neu gewählten Rektors der Uni Hamburg vorangetragen wurde und so an diesem 9. Nov 1967 wohl den Beginn der Studentenbewegung markierte.

Laut Kritik üben, altes in Frage stellen, zu neuen Denkansätzen anregen und über Bord werfen, was nicht mehr tragfähig scheint, dafür könnte auch hier die kanaanäische Frau stehen, die aufgrund ihrer Not mit dem dämonisch kranken Kind keinen anderen Ausweg für sich sah und ähnlich den fein gestriegelten Jura Studenten noch ganz ohne Aggression, ihren Protest laut schreiend anbrachte. Jesus hier jedoch widererwartend auf der Seite des ‚Establishment‘, also seltsamerweise da, wo sich nichts bewegt!

Es könnte also sein, dass hier der Evangelist in dieser Zuspitzung mit seiner Jesusgeschichte eine Botschaft transportieren möchte, die als Problemstellung ursächlich ihren Ausgang in den damaligen Christengemeinden genommen hat. Folglich ist der Blick in den geschichtlichen Kontext, die politische Situation, in die hinein das Evangelium von Matthäus geschrieben wurde, von äußerster Wichtigkeit. Der Bruch zwischen den Jesus Gemeinden und den ‚Auserwählten‘ des Volkes Israel für die Jesus sich ausschließlich berufen fühlte, ist bereits vollzogen und in eine Verfolgungssituation durch die pharisäisch orientierten Juden umgeschlagen. Die Jesusbewegung steckt nun in einer ersten echten Krise, die der Evangelist versucht, zu klären, indem er uns eine Jesusbegebenheit vermittelt, wo der ursprüngliche Verkündigungsauftrag überschritten wird. Ein erstes Signal zu einer möglichen Neuausrichtung, nämlich jetzt mit der Heidenmission zu beginnen, ist hier darin zu sehen, dass die kanaanäische Frau Jesus als ‚Herr‘ und auch als ‚Sohn Davids‘ anspricht und damit die hellenistisch (heidnische) wie jüdische Anrede gleichberechtigt nebeneinander benutzt (vgl. Vers 22). Szenisch ganz geschickt, führt Matthäus die Ausweitung des Verkündigungsauftrages schrittweise mittels der agierenden Personen ein. So wird die ‚Problemstellung‘ im Klagen und dem sich Erniedrigen der heidnischen Frau vor dem Juden Jesus deutlich und das zudem noch ganz sinnenfällig außerhalb Israels, nämlich im heidnischen Gebiet.

Springen wir mit diesem Hintergrund nun wieder in ‚unsere‘ deutsche Geschichte zurück, dann lassen sich die Proteste schlicht resümieren in dem Sponti-Spruch ‚wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt!‘. Und da der Titel der Dauerausstellung im Haus der Geschichte ‚Du bist Teil der Geschichte‘, damit selbstverständlich auch die Kirche nicht außen vorlässt, könnte es sein, dass wir Katholiken uns mit unserer Kirche wie in einem ‚verkehrten‘ Film befinden.

Einerseits die eindringliche Warnungen vor antidemokratischen Tendenzen und dem persönlichen Liebäugeln mit Parteien des extremen Spektrums, andererseits die ständige Betonung, dass Synodalität nicht mit Demokratie zu verwechseln sei; so reagieren wir wie seismographisch auf jegliche Diskriminierung, sind aber mit der ewig nicht geklärten, sogenannten ‚Frauenfrage‘ selber dabei; auch ist für uns ‚am Segen Gottes alles gelegen‘, doch wenn die Paar-Konstellation ‚nicht stimmt‘, ist es mit der Auto-Segnung zum Start in die Sommerferien um ein Vielfaches einfacher; sehr wichtig sind uns die Charismen der ‚Getauften und Gefirmten‘, die wir gerne im ‚allgemeinen Priestertum‘ vereinen, doch wenn’s um die Predigt an exponierter Stelle in der Hl. Messe geht, bleibt das ausschließlich den Geweihten (Männern) vorbehalten … und wo nun bleibt der schreiende Protest, der sich wehrt?

Zumindest ist es ein Kölner Priester, Peter Kohlgraf, der auf dem Mainzer Bischofsstuhl sitzt und in seiner besonnenen Art zur Laienpredigt sagt: „… Das Kirchenrecht erlaubt es nicht und das ist weiterhin unsere Grundlage. Trotzdem ist es so, dass es in mancher Kirchengemeinde bei uns üblich ist, dass Laien predigen. Wenn ich davon erfahre, werde ich nicht disziplinarisch eingreifen oder das kirchenrechtlich sanktionieren. Ich werbe dafür aber auch nicht und ich kann es nicht erlauben. Ich nehme es nur zur Kenntnis, dass es in manchen Kirchengemeinden so eine eingebürgerte Praxis gibt. …“

… wenigstens eine vernehmbare Stimme!

Fragen, Diskussionsbeiträge und Rückmeldungen bitte an: jan.opiela@web.de

Biblische Texte zum 20. Sonntag im Jahreskreis A  2026

Evangelium: Matthäus 15, 21 – 28

Der Glaube der heidnischen Frau

21 Jesus ging weg von dort und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. 22 Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. 23 Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her! 24 Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. 25 Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! 26 Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen. 27 Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. 28 Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

Lesung: aus dem Buch des Propheten Jesája 56, 1 . 6 – 7

Verheißung an die Fremden und Kinderlosen

1 So spricht der HERR: Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit, / denn bald kommt mein Heil / und meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren![1] 2 Selig der Mensch, der dies tut, / und jeder Einzelne, der daran festhält, den Sabbat zu halten und ihn nicht zu entweihen / und seine Hand vor jeder bösen Tat zu bewahren. 3 Der Fremde, der sich dem HERRN angeschlossen hat, soll nicht sagen: / Sicher wird er mich ausschließen aus seinem Volk. Der Eunuch soll nicht sagen: / Sieh, ich bin ein dürrer Baum. 4 Denn so spricht der HERR: / Den Eunuchen, die meine Sabbate halten, die wählen, was mir gefällt / und an meinem Bund festhalten, 5 ihnen gebe ich in meinem Haus / und in meinen Mauern Denkmal und Namen. / Das ist mehr wert als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich einem jeden, / der nicht ausgetilgt wird. 6 Und die Fremden, die sich dem HERRN anschließen, / um ihm zu dienen und den Namen des HERRN zu lieben, um seine Knechte zu sein, / alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen / und die an meinem Bund festhalten, 7 sie werde ich zu meinem heiligen Berg bringen / und sie erfreuen in meinem Haus des Gebets. Ihre Brandopfer und Schlachtopfer werden Gefallen auf meinem Altar finden, / denn mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden. 8 Spruch GOTTES, des Herrn, / der die Versprengten Israels sammelt: Noch mehr, als ich schon von ihnen gesammelt habe, / will ich bei ihm sammeln. 

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