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Sonntags Ge-danken

by Wilfried Römer / Samstag, 03 Oktober 2026 / Published in Geistlicher Impuls

Copyright / Urheber
Erzbistum Köln (c)Angelika Huber


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Jan Opiéla, Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln

27. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: aus dem Buch Jesája (5, 1-7) und Evangelium: Matthäus 21, 33 – 44, 04.10.2026

DANK steht an diesem ersten Wochenende im Oktober traditionell im Vordergrund, wenn in so manchen Kirchen Erntegaben zentral vor dem Altar dekoriert sind und unsere Kleinsten aus dem Kindergarten bemüht werden, womöglich noch ausgerüstet mit Sonnenblumen, den gottesdienstlichen Einzug festlich zu begleiten.

Mit einem weitaus größeren Aufwand sollte zumindest dankbar der ‚friedlichen Revolution‘ gedacht werden, die schließlich 1989 zum Fall der Mauer führte und am 3. Oktober 1990 dann die deutsche Einheit brachte, wenn an diesem Wochenende vom Land Bremen das zentrale Bürgerfest zum ‚Nationalfeiertag‘ ausgerichtet wird.

Doch jetzt, mit Blick auf die Ergebnisse der bisher erfolgten Landtagswahlen, spricht das offizielle Festmotto, ‚Viele Stärken – ein Land‘ Bände und kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir noch viel tun müssen, um mal ohne Dauerkritik dankbar auf dieses ‚eine‘ Land blicken zu können. Davon abgesehen, kann es bei 10,8 Millionen Tonnen jährlich entsorgter Lebensmittel mit einem Ernte-‚Dank‘ unserer Nation ebenfalls nicht weit her sein, zumal wir jeglichen Respekt vor der Schöpfung verloren zu haben scheinen!

Auf der Ebene des ‚Un‘-Danks liegen auch die Texte des heutigen Sonntages und scheinen sich demnach überhaupt nicht zu eignen für unbeschwerte Dankesfeiern mit anschließend gemeinsamen Kartoffelsuppenessen für einen ‚guten‘ Zweck. Sicher atmet das ‚Weinberglied‘ beim Propheten Jesaja eine Größe Gottes und gehört damit zur festen jüdischen Lehrtradition, entpuppt sich jedoch als eine riesige Enttäuschung. Denn der Weinberg steht hier für das ganze Volk Israel, was trotz der liebevollen Pflege und eines großen Einsatzes seines Gottes im übertragenen Sinne nur saure Beeren brachte aufgrund von sozialen Missständen untereinander und gegenseitigen Unmenschlichkeiten letztendlich für Gott keinerlei Ertrag brachte.

Im Evangelium von Matthäus nimmt Jesus die Tradition der Weinbergerzählung auf, verwendet sie jedoch in der Auseinandersetzung mit den Ältesten des Volkes, den Hohenpriestern und Schriftgelehrten gegen diese selbst, indem er sie, in der Rolle der Winzer, dem Gutsbesitzer seinen Anteil an der Ernte vorenthalten lassen will und dafür sogar verbrecherisch handeln lässt.

Damals sind es für Jesus also die politischen und geistlichen Autoritäten, die das Volk von einer bibelgemäßen Glaubenspraxis abhält und Gott damit um seinen Ernteanteil bringt. Doch unsere Problematik heute ist vielschichtiger und lässt sich nicht unbedingt durch Schuldzuweisung einzelner herausragender Köpfe oder bestimmter Parteien lösen.

Also bleibt uns aufgrund fehlender Zuordnung nichts anderes übrig, als zunächst einmal die zerstörerischen Grausamkeiten am Ende beider Bibeltexte über sich ergehen zu lassen. Wobei ich nun entweder innerlich sofort abschalte, da ich wieder einmal das überkommene Vorurteil eines unbarmherzig rächenden Gottes bedient sehe, den ich meine, irgendwann mit meinem Gottesbild ein für alle Male ad Acte gelegt zu haben oder wir fassen das Ganze gleich von vornherein als ein ‚reinigendes Gewitter‘ auf, was uns mit der einen oder anderen Transformation, über unsere Zeit zum Nachdenken bringen sollte.

Die Radikalität, mit der Gott hier in der Lesung aus dem Buch Jesaja vorgeht, der sprichwörtliche ‚Zorn Gottes‘, lässt sich nur mit seiner wahnsinnigen Liebe zu diesem auserwählten Volk erklären, genauso die Heftigkeit in der Auseinandersetzung Jesu mit den jüdischen Autoritäten, die für den Glauben des eigenen Volkes abträglich sind.

Mit dem Blick auf die ‚viele(n) Stärken‘, die an diesem Wochenende das ‚ein(e)) Land‘ feiern, dürften wir angesichts der unzähligen Diffamierungen von Menschen und lauthals geäußerter Re-Migrations-Szenarien in diesem Land für unsere demokratische Gesellschaftsform in der Tat etwas mehr Liebe bekunden. Mit der Folge, dann womöglich auch ‚zorniger‘ zu reagieren auf Protagonisten, die längst überwunden geglaubtes, völkisch Nationales in ihren Reden erneut bedienen. Schauen wir auf unsere französischen Nachbarn, welche jüngst die ‚Grande Nation‘ allein schon wegen maroder Schulen und u.a. unbenutzbarer Toiletten erzittern ließen!

Fragen und Diskussionsbeiträge gerne an: jan.opiela@web.de

Biblische Texte zum 27. Sonntag im Jahreskreis A (2026)

Lesung: aus dem Buch Jesája ( 5, 1 – 7 )

Lied vom Weinberg

1 Ich will singen von meinem Freund, / das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg / auf einer fruchtbaren Höhe. 2 Er grub ihn um und entfernte die Steine / und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Er baute in seiner Mitte einen Turm / und hieb zudem eine Kelter in ihm aus. Dann hoffte er, / dass der Weinberg Trauben brächte, / doch er brachte nur faule Beeren. 3 Und nun, Bewohner Jerusalems und Männer von Juda, / richtet zwischen mir und meinem Weinberg! 4 Was hätte es für meinen Weinberg noch zu tun gegeben, / das ich ihm nicht getan hätte? Warum hoffte ich, dass er Trauben brächte? / Und er brachte nur faule Beeren! 5 Jetzt aber will ich euch kundtun, / was ich mit meinem Weinberg mache: seine Hecke entfernen, / sodass er abgeweidet wird; einreißen seine Mauer, / sodass er zertrampelt wird. 6 Zu Ödland will ich ihn machen. / Nicht werde er beschnitten, / nicht behackt, sodass Dornen und Disteln hochkommen. / Und den Wolken gebiete ich, keinen Regen auf ihn fallen zu lassen. 7 Denn der Weinberg des HERRN der Heerscharen / ist das Haus Israel und die Männer von Juda / sind die Pflanzung seiner Lust. Er hoffte auf Rechtsspruch – / doch siehe da: Rechtsbruch, auf Rechtsverleih – / doch siehe da: Hilfegeschrei.

Evangelium: Matthäus 21, 33 – 44

Das Gleichnis von den Winzern

33 Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. 34 Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. 35 Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie. 36 Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. 37 Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. 38 Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. 39 Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. 40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? 41 Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. 42 Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, / er ist zum Eckstein geworden; / vom Herrn ist das geschehen / und es ist wunderbar in unseren Augen? 43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt. 44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. 45 Als die Hohepriester und die Pharisäer seine Gleichnisse hörten, merkten sie, dass er von ihnen sprach. 46 Sie suchten ihn zu ergreifen; aber sie fürchteten die Menge, weil sie ihn für einen Propheten hielt.

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