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Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
CHRISTKÖNIGSSONNTAG C (2025) Lesung: Kolosser 1, 12 – 20 und Evangelium: Lukas 23, 35 – 43, 23.11.2025
Der Christkönigssonntag markiert Jahr für Jahr den letzten Sonntag im Kirchenjahr, ganz gleich, ob er als Toten- oder Ewigkeitssonntag (staatlich / ev.) daherkommt, es ist definitiv das Ende. Auch wenn bekanntermaßen die Wurst es mit zwei Enden versucht, selbst sie entkommt ihrem kulinarischen Ende nicht. Und der Mensch? … hat auch nur eine bestimmte ‚Laufzeit‘, hinter der die einen eindeutig medizinische Gründe sehen, andere das Zufallsprinzip oder einen göttlichen Plan erkennen wollen, der keinen Menschen und nichts außen vorlässt. Es sei denn, wir selbst setzen das Ende, wie jetzt die vormals auf allen Showbühnen dieser Welt als ‚Tanzende Zwillinge‘ und schönstes deutsches Künstlerinnen-Duo bekannten Kessler Schwestern (89) Alice & Ellen, die den ‚zufälligen‘ Todeszeitpunkt eben nicht als ein sie möglicherweise trennendes Faktum hinnehmen wollten. Was mit Blick auf die gemeinsame Lebensgeschichte von der Konsequenz her zunächst fasziniert, doch in der konkreten Ausführung und dem nur schwer vorstellbaren, abrupten Ende erschrickt, einmal abgesehen von den sich daraus ergebenden ethischen Fragestellungen.
Doch kein Ende in unserer Menschheitsgeschichte scheinen Grauen und Schrecken zu finden, dass was sich Menschen gegenseitig antun, um ihre Machtpositionen zu festigen, nicht zuletzt alles, was sich unter dem Begriff ‚Krieg‘ vereint. Mit der Einführung des Hochfestes Christkönig wollte Papst Pius XI. im Jahr 1925 dem förmlich etwas entgegensetzen, zumal aus seiner Sicht die ihn umgebenden machtpolitischen Vorgänge eine Kette nicht abreißender Schreckensereignisse darstellten. Matrosen-Aufstände und Soldatenräte beenden auf reichsdeutscher Seite den I. Weltkrieg, was den Kaiser ins Exil treibt, auch Polen wird 1921 zur Republik und 1922 marschierte Mussolini auf Rom zu, Ruhrkampf und Hitlerputsch schließen sich 1923 an und mit dem Tod Lenins, 1924, ergreift nun Stalin die Macht in Russland. 1929 die Weltwirtschaftskrise und die ‚Goldenen 20er‘ schliddern bestimmte Berliner Kreise völlig bekifft und in absoluter Sektlaune in die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und dann der totale Zusammenbruch 1945.
Gegen all die Veränderungen, setzt eine in Ewigkeitsdimensionen denkende Kirchenzentrale in Rom, „die Anerkennung der Königsherrschaft Christi“ als „das wirksamste Heilmittel gegen die zerstörenden Kräfte der Zeit“ und erhofft sich somit nun wieder „gerechte Freiheit, Ordnung, Ruhe, Eintracht und Friede“. Doch selbst schon Kirche unter ihrem immer noch als unfehlbar geltenden Oberhaupt bleibt weit hinter dem ausgerufenen Ziel zurück, von daher wartet der im Hochfest verkündete Anspruch immer noch auf Deckung durch uns.
Vielleicht könnten Hinweise darauf möglicherweise in der Textanalyse des vorgegebenen Evangeliums nach Lukas liegen. Geschrieben zwischen 80-90 n.Chr. blickt er auf die bereits abgeschlossenen Gründungen der Gemeinden, die in ihren Strukturen gefestigt und mit der Botschaft Jesu bestens vertraut sind. Das heißt, im Evangelium geht es nun nicht mehr um Glaubenswissen, sondern eher um die Interpretation mit Blick auf die Umsetzung im täglichen Leben, zumal die nahe Erwartung des ‚kommenden Himmelreiches‘ in weite Ferne gerückt zu sein scheint.
Folglich wird uns hier nicht ein Hinrichtungsprotokoll in Form eines historischen Berichtes präsentiert, sondern eher die Schlussszene eines Dramas, womit die Aspekte der Botschaft Jesu deutlich herausgehoben werden sollen: der selbstlose Helfer ‚anderen hat er geholfen, nun soll er sich selber helfen‘ (Vers 35) / der gewaltlose Dulder, der verspottet, verhöhnt und dessen Durst mit Essig gestillt wurde (vgl. Vers 36) / der tatenlos Wirkmächtige ‚uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten‘ (Vers 40/41), doch wo ist ganz objektiv das strafwürdige Verhalten bei Jesus zu finden? / der göttlich Vergebende ‚heute noch wirst du mit mir im Paradies sein‘ (Vers 43).
Damit werden uns die Urbilder christlichen Lebens und Wirkens vorgestellt und in der Zusammenschau der für uns in der Nachfolge zu beschreitende Königsweg vorgegeben. Also dann doch passend zum Christ-Königs-Fest, diesmal aber glaubhafter, ausschließlich orientiert an der Person und Botschaft Jesu, dem Anti-König aller Zeiten!
Für Fragen und zur Diskussion: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum CHRISTKÖNIGSSONNTAG C (2025)
Lesung: aus dem Brief des Apostel Paulus an die Kolósser
(1, 12 – 20)
Dank für die Erlösung
12 Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. 13 Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. 14 Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.
Christus, der Erstgeborene und Erlöser des Alls
15 Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, / der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.[2] 16 Denn in ihm wurde alles erschaffen / im Himmel und auf Erden, / das Sichtbare und das Unsichtbare, / Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; / alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. 17 Er ist vor aller Schöpfung / und in ihm hat alles Bestand. 18 Er ist das Haupt, / der Leib aber ist die Kirche. / Er ist der Ursprung, / der Erstgeborene der Toten; / so hat er in allem den Vorrang. 19 Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, / 20 um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. / Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, / der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.
Evangelium: nach Lukas (23, 35 – 43)
Jesu Kreuzigung und Tod
32 Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, dass sie mit ihm hingerichtet würden. 33 Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. 34 [Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!][2] Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. 35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. 36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig 37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! 38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. 39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! 40 Da antwortete der andere, wies ihn zurecht und sprach: Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? 41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. 44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, 45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. 46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er. 47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen! 48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. 49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.
