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Sonntags Ge-danken

by Wilfried Römer / Samstag, 02 Mai 2026 / Published in Geistlicher Impuls


Bild: Peggy_Marco/pixabay

Zum Vergrößern bitte auf das bild klicken.

von Jan Opiéla,
Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln

5. Sonntag der Osterzeit A (2026) Lesung: Apostelgeschichte 6, 1 – 7 und Evangelium: Johannes 14, 1 – 12, 03.05.2026

Da standen wir nun nach über 500 Km ‚irgendwo im Nirgendwo‘ vor der Sperre, welche nur noch für Fahrräder passierbar war und das Hotel am Stadtrand von Bologna, selbst mit Navi, noch nicht einmal in Sichtweite. Ganz anders dann später meine Exkursion vom Tagungsort im Außenbezirk zu Fuß ins Zentrum, denn trotz einer rudimentären, nur auf die Sehenswürdigkeiten im Stadtkern beschränkten Karte, habe ich den Weg rein wie raus gefunden. Straße um Platz, Kirchturm um auffällige Hauseingangsgestaltung und Café-Bar / Eckpizzeria um krass überladene Wertstoffsammelplätze, eben den ganzen ‚Weg‘ aufmerksam, Stück für Stück erwandert.

Vielleicht ist eine ähnliche Erfahrung dem Evangelisten Johannes in den Sinn gekommen, wenn er hier in der Abschiedsrede Jesus davon ausgehen lässt, dass wir den ‚Weg‘ zu den himmlischen Wohnungen doch eigentlich kennen müssten. Eben IHN, Jesus, Schritt für Schritt über die eigene religiöse Sozialisation in seiner Person und seiner Botschaft mit den vielen Bildern und Gleichnissen erfasst zu haben. Genau darauf aufmerksam zu machen, dies ist der Part den der Evangelist dem Thomas mit seiner Frage nach dem angeblich nicht bekannten Weg Jesu zugedacht hatte (vgl. Vers 5).

Doch glaubensmäßig viel tiefer scheint das Problem, was mit der Figur des Philippus abgearbeitet wird, dass nämlich bereits am Ende des ersten Jahrhunderts schon erste Zweifel an der Gottgleichheit Jesu aufgetreten sein könnten und man deshalb meinte, das ‚Original‘ sehen zu wollen, was ja dann auf jeden Fall ‚genügt‘ (Vers. 8) hätte. Folglich musste erneut die Identität zwischen Vater und Sohn als der ‚eine‘ Gott erklärt werden und weist Johannes deshalb noch einmal auf die Wirkmächtigkeit der Werke Jesu hin, die er ohne eigene göttliche Eigenschaften wohl kaum zustande gebracht hätte.

Mit einer solchen Möglichkeit des Argumentierens versucht der Evangelist unter anderem seine neue Sicht auf das Leben Jesu, eben als eine erste ‚Theo-logie‘ (aus dem Griechischen übersetzt: Rede von Gott), bei seinen Zeitgenossen anzubringen und kombiniert zusätzlich hier die klassische Vorlage einer standartmäßigen Abschiedsrede geschickt mit dem auferstandenen Christus. Auf den Segenszuspruch ‚Euer Herz lasse sich nicht verwirren‘ (Vers 1) folgt die Ermahnung mit ‚… niemand kommt zum Vater, außer durch mich‘ (Vers 6) und schließt gleichsam das Testament, wie das Vermächtnis großer Persönlichkeiten damaliger Zeit, mit der Verheißung ‚Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.‘ (Vers 7). Damit ist also deutlich geworden, dass wir uns in der Wahrheit befinden und das Leben in Gott besitzen, wenn wir dem Vermächtnis Jesu in Werk und Leben gefolgt sind. In dieser Gleichsetzung ist ER für uns folglich Weg und Ziel in einem (vgl. Vers 6). Wie nur konnte es kommen, dass wir in den, gerade das ‚christliche Abendland‘ prägenden Gesellschaften, ‚Weg‘ und ‚Ziel‘ derart aus den Augen verloren haben und sich immer weniger Menschen im ‚Katholischen‘ beheimatet fühlen?

Um eben näher ‚beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben‘ (s. Vers 4) zu können, hat schon die frühe Kirche, wie wir aus der Lesung der Apostelgeschichte erfahren, nach einer Auseinandersetzung um die ungleiche Versorgung verschiedener Witwengruppen, das für die Caritas zuständige Amt des Diakons, eingeführt. Mit seiner wechselvollen Geschichte, als Vorstufe zum Priesteramt und als ‚dekoratives‘ liturgisches Element im ‚dreispännigen Hochamt‘ der tridentinischen Messe, ist der Diakon als Verheirateter mit einer vermeintlich größeren Nähe für die Sorge am Mitmenschen, heute notwendiger Spender von Sakramenten, es sei denn, Laien dürfen bereits den Verkündigungs- oder Beerdigungsdienst übernehmen und wären beauftragt zur Taufe und Trauungen. ‚CARITAS‘ hingegen ist Markenname in Sachen Soziales geworden und einer der größten Arbeitgeber Deutschlands, konfrontiert mit allen nur erdenklichen arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

Im Moment ist das auch in so manchem Bistum spürbar, wenn Arbeitsgerichte zunehmend bemüht werden oder nunmehr in ‚Ungnade‘ gefallene Mitarbeitende in hohen Positionen, unter Stillschweigen finanziell abgefunden werden. Damit ist nun das, was in der Apostelgeschichte mit der eingeführten Reglung vermieden werden sollte, seit Jahren fester Bestandteil in der Berichterstattung über ‚Kirche‘: Streit und Auseinandersetzung! Doch gerade hier, wenn es um den Umgang mit den von unserer Glaubensgemeinschaft abhängigen Arbeitnehmenden geht, werden wir in besonderer Weise an unseren Taten gemessen, mit der Folge, dass der Glaube in der verpassten, konkreten praktischen Anwendung so, für die sich religiös neu orientierende Menschen, auf Dauer an Attraktivität verliert.              

Für Rückmeldungen und zur Diskussion jan.opiela@web.de

Biblische Texte zum 5. Sonntag der Osterzeit Lesejahr A (2026)

Lesung: Apostelgeschichte 6, 1 – 7

Die Wahl der Sieben

1 In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.[1] 2 Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. 3 Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. 4 Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. 5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.[2] 6 Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf. 7 Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.

Evangelium: Johannes 14, 1 – 12

Die erste Abschiedsrede. Fortgang und neues Kommen Jesu

1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? 3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 4 Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. 5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? 6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. 7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. 9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. 11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! 12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

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