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Copyright / Urheber Robert Boecker

Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
III. ADVENT Sonntag GAUDETE A (2025) Lesungen: Jesaja 35, 1-6a.10 u. Jak 5, 7-10 Evangelium: Matthäus 11, 2-11, 14.12.2025
Sicher ist Weihnachten gefühlt das größte Fest, zumal ja auch der Religionsstifter geboren wird und man an Ostern mit der Auferstehung wenig Fassbares in Händen hält. Ein Neugeborenes ist eben schon was ganz Besonderes, da es in allen gleichermaßen Emotionen weckt. Vielleicht braucht es da so ein Innehalten, ein persönlich in sich gekehrtes Freuen ‚gaudete‘, darüber, dass ich als ChristIn bei all dem Rummel vor Weihnachten aber auch in Kirche und Welt dranbleibe, weiter hoffe auf die Wiederauferstehung der Liebe und deshalb noch nicht aufgegeben habe.
Schon frühzeitig wurden unsere Vorfahren im Glauben durch die sieben sogenannten ‚katholischen Briefe‘, verstanden als allgemeine Anleitungen zum Christsein, darin gestärkt, wie hier in dem des Jakobus. Er fordert uns auf zum geduldigen Warten und dabei sich gegenseitig in der Gemeinschaft der Getreuen klaglos anzunehmen und nicht in Streitereien zu verfallen. Besonders aber am Vorbild der Propheten festzuhalten, die im Namen des Herrn gesprochen haben.
Da stellt uns nun Matthäus im Evangelium keinen Geringeren vor als Johannes, den sogenannten ‚Täufer‘, den letzten alttestamentlichen Propheten, der sich sozusagen schon mit einem Bein im Neuen Testament wiederfindet. In der Tat bietet dieser Johannes Qualitäten, vergleichbar mit einem ‚frühchristlichen Superman‘, denn er hängte seine Fahne nicht nach dem Wind, war kein feiner Höfling ohne eigene Meinung oder Claqueur im Schlepptau eines Großen (vgl. Vers 8 u. 9). Ganz im Gegenteil, wird er schon beim Propheten Jesaja als Bote und ‚Vor-Spurer‘ gehandelt, der dann auch als Prediger und Asket alle Aufmerksamkeit seiner Zeit bei dem symbolischen Akt eines bußfertigen Untertauchens und Reinwaschens in der Wüste am Jordan auf sich zog. Dementsprechend auch der Nachruf Jesu ‚Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer …‘ (Vers 11). Umso verwunderlicher ist es, dass es keine Solidaritätsaktion gegeben hat oder gar ein Rettungsversuch gestartet wurde, als Johannes in Kerkerhaft bei Herodes genommen wurde! Er tritt sang und klanglos ab, selbst bei seinen Gefolgsleuten spielte er keine Rolle mehr. ‚… doch der kleinste im Himmelreich ist größer als er!‘ (Vers 11) hören wir Jesus, höchstwahrscheinlich sogar im O-Ton sagen. Kann es sein, dass Johannes hier gerade wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird? Will sich da einer eines ungeliebten Gesinnungsgenossen entledigen? Richtungsstreitigkeiten, ähnlich einem innerparteilichen Hick-Hack, wo im Nachhinein ‚Köpfe rollen‘? Es kann auch sein, dass da einer das Ende seiner Zeit nicht mitbekommen hatte und nun ‚entsorgt‘ werden musste?
Die aufstrebende Jesus-Gruppe drängte letztendlich die Johannes-Gruppe aus dem Bewerberfeld! Und ursächlich dafür war die Botschaft ‚Blinde sehen wieder und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet‘ (Vers 5), zumal Johannes nur mit einer Drohbotschaft aufwartete, zwar Rettung, sogar zeichenhaft in Aussicht stellte, jedoch nichts garantierte. Das ganz andere Gottesbild, wonach der Mensch nicht mehr platt gemacht wird, sondern sich entfalten darf, war ausschlaggebend. Johannes konnte nur an die Schwelle eines neuen Zeitalters führen, dieselbe jedoch nicht überschreiten, da ihm das ganz andere noch unglaublich schien. Deshalb ließ er auch aus dem Gefängnis heraus fragen ‚Bist du der, der kommen soll oder müssen wir auf einen anderen warten?‘ (Vers 3).
Genau für eine solche Fragestellung hätten wir gerade noch Zeit mit Blick auf die Menschwerdung Gottes im ganz Kleinen! Das heißt, ich muss jetzt zeitnah die rächenden, richtenden und Allmachtsgedanken umfassenden Gottesbilder hinterfragen, da ich sie ansonsten auf dem Hintergrund neu aufkeimender Despotenten für real halte und die Wehrlosigkeit im unbeholfen Göttlichen als Fake abtue. Die Absicht des Matthäus Schriftstellers ist es also, die Menschen mit dem Jesus-Wort anzufragen ‚Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt‘ (Vers 6). Das heißt, nicht einen Lehrsatz anzuerkennen, sondern leben mit Gott in den Höhen und Tiefen meines Daseins und mag dieses manchmal noch so ‚klein‘ sein, selbst auf dem Hintergrund wenig friedvoller Zeiten.
Für Fragen und zur Diskussion: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum III. Adventssonntag A (2025)
Lesung: aus dem Buch Jesaja (35, 1 – 6a . 10)
Verheißung des Heils für Zion
1 Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe / und blühen wie die Lilie. 2 Sie wird prächtig blühen / und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken. Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben, / die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, / die Pracht unseres Gottes. 3 Stärkt die schlaffen Hände / und festigt die wankenden Knie! 4 Sagt den Verzagten: / Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott! / Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes! / Er selbst kommt und wird euch retten. 5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan / und die Ohren der Tauben werden geöffnet. 6 Dann springt der Lahme wie ein Hirsch / und die Zunge des Stummen frohlockt, denn in der Wüste sind Wasser hervorgebrochen / und Flüsse in der Steppe. 7 Der glühende Sand wird zum Teich / und das durstige Land zu sprudelnden Wassern. Auf der Aue, wo sich Schakale lagern, / wird das Gras zu Schilfrohr und Papyrus. 8 Dort wird es eine Straße, den Weg geben; / man nennt ihn den Heiligen Weg. Kein Unreiner wird auf ihm einherziehen; / er gehört dem, der auf dem Weg geht, / und die Toren werden nicht abirren. 9 Es wird dort keinen Löwen geben, / kein Raubtier zieht auf ihm hinauf, kein einziges ist dort zu finden, / sondern Erlöste werden ihn gehen. 10 Die vom HERRN Befreiten kehren zurück / und kommen zum Zion mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, / Jubel und Freude stellen sich ein, / Kummer und Seufzen entfliehen.
Evangelium: Matthäus (11, 2 – 11)
Die Frage des Täufers und seine Bedeutung
2 Johannes hörte im Gefängnis von den Taten des Christus. Da schickte er seine Jünger zu ihm 3 und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? 4 Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: 5 Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet. 6 Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. 7 Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? 8 Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Siehe, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. 9 Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: sogar mehr als einen Propheten. 10 Dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, / der deinen Weg vor dir bahnen wird. 11 Amen, ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er. 12 Seit den Tagen Johannes des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan und Gewalttätige reißen es an sich. 13 Denn alle Propheten und das Gesetz bis zu Johannes haben prophetisch geredet. 14 Und wenn ihr es annehmen wollt: Er ist Elija, der wiederkommen soll. 15 Wer Ohren hat, der höre! 16 Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die auf den Marktplätzen sitzen und anderen zurufen: 17 Wir haben für euch auf der Flöte gespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben die Totenklage angestimmt und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen. 18 Denn Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht und sie sagen: Er hat einen Dämon. 19 Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt und sie sagen: Siehe, ein Fresser und Säufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch ihre Taten Recht bekommen.
Lesung: aus dem Jakobusbrief ( 5, 7 – 10 )
Warnung an die hartherzigen Reichen
1 Ihr aber, ihr Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das über euch kommen wird! 2 Euer Reichtum verfault und eure Kleider sind von Motten zerfressen, 3 euer Gold und Silber verrostet. Ihr Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten und euer Fleisch fressen wie Feuer. Noch in den letzten Tagen habt ihr Schätze gesammelt. 4 Siehe, der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, sind bis zu den Ohren des Herrn Zebaoth gedrungen. 5 Ihr habt auf Erden geschwelgt und geprasst und noch am Schlachttag habt ihr eure Herzen gemästet. 6 Verurteilt und umgebracht habt ihr den Gerechten, er aber leistete euch keinen Widerstand.
Mahnung zur Geduld
7 Darum, Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig auf sie, bis Frühregen oder Spätregen fällt. 8 Ebenso geduldig sollt auch ihr sein; macht eure Herzen stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor. 9 Klagt nicht übereinander, Brüder und Schwestern, damit ihr nicht gerichtet werdet! Seht, der Richter steht schon vor der Tür. 10 Brüder und Schwestern, im Leiden und in der Geduld nehmt euch die Propheten zum Vorbild, die im Namen des Herrn gesprochen haben! 11 Siehe, wir preisen selig, die geduldig alles ertragen haben. Ihr habt von der Ausdauer des Ijob gehört und das Ende gesehen, das der Herr herbeigeführt hat. Denn der Herr ist voll Erbarmen und Mitleid.
