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Copyright / Urheber Wilfried Römer

Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
6. Sonntag der Osterzeit A (2026) Lesungen: Apg 8, 5 – 8 . 14 – 17 und 1 Petr 3, 15 – 8 Evangelium: Joh 14, 15 – 21, 10.05.2026
Auf dem Hintergrund von Kirche heute, zumindest in unseren Breitengeraden, ist kaum nachzuvollziehen, was da eindrucksvoll in der Apostelgeschichte beschrieben wird. Einem Lauffeuer gleich verbreitet sich der Glaube, begleitet von Wundern und Freude über viele Bekehrungsereignisse, so dass die damalige ‚Zentrale‘ der Christusbewegung in Jerusalem aufgrund der Erfolgsmeldungen noch recht skeptisch scheint, ob hier nicht zu viel Euphorie im Spiel gewesen ist. Deshalb wurden sicherheitshalber die Apostel Petrus und Johannes geschickt, damit sie die ‚Firmung‘, nämlich die Besiegelung der Glaubensannahme mittels Geistsendung durch Auflegen der Hände, vollziehen (vgl. Vers 17).
Mit diesem quasi ersten ‚Kontrollvorgang‘ lassen sich die Anfänge von dem erkennen, was uns, da heute in überzogenem Maße, Kirche zurzeit so schwer macht. Damals schien hingegen das Administrative der Begeisterung nachgeordnet und ermöglichte so einen ungehinderten und damit unkomplizierteren Zugang zur Gemeinschaft der Christengemeinde. Doch der neu angenommene Glaube und der damit verbundene christliche Lebenswandel stand konträr zum heidnischen Umfeld, was nicht selten mit öffentlichen Schmähungen einher gegangen sein muss, so dass Petrus in seinem Sendschreiben schon dazu aufrufen musste, ‚Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem, Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt …‘ (Vers 15).
Die Übernahme und feierliche Übergabe des Glaubens durch die Sakramente, Taufe und (Erste) Kommunion sind das eine, doch Durchhalten und mit dem eigenen Leben sichtbar werden lassen, das steht auf einem anderen Blatt! Jedenfalls werden wir gemäß den Verlautbarungen des II. Vaticanums (1962-1965) dem christlichen Anspruch nur gerecht, wenn wir für diese Welt Zeugen und Zeuginnen der Auferstehung sind und dementsprechend dafür einstehen ‚Was die Seele im Leibe, das sollen in der Welt die Christen sein‘ (Konstitutionüber die Kirche, Nr. 38). In der 10 Jahre später erfolgten Umsetzung der Beschlüsse durch die ‚Gemeinsame Synode der Bistümer in Deutschland‘ (1971-1975) klang das sogar noch weitaus kämpferischer, wenn da von der ‚Sprengkraft gelebter Hoffnung‘ die Rede ist, zumal die Welt – wie schon damals festgestellt – auf jeden Fall keine Verdoppelung ihrer Hoffnungslosigkeit durch Religion braucht.
Genau das aber ist weltweit im Moment der Fall, wenn nicht politische Systeme aneinandergeraten oder ausgemachte Potentaten meinen, die Weltgeschicke an sich ziehen zu müssen, dass es dann in der Tat die verschiedenen Religionen sind, deren vielfältige widerstreitenden Verästelungen oder es gar untereinander verwandte christliche Geschwister-Kirchen sind, welche kriegerisch aufeinander losgehen, ungeachtet ihrer gemeinsamen Wurzel! Man wird den Eindruck nicht los, dass Glaube, sobald er institutionelle Züge annimmt, sich nach und nach von seiner ursprünglichen Intention zu entfernen scheint und es dann zu einer Eigendynamik kommt, die sogar in der Lage ist, Menschen an ihren Führungsspitzen so zu verändern, dass sie sich höchstwahrscheinlich im Spiegel ihres Glaubens nicht wiedererkennen würden. Folglich endete wohlweißlich auch der Synodenbeschluss ‚Unsere Hoffnung. Ein Bekenntnis zum Glauben‘ (Kapitel II,2) schon mit der Frage: ‚Sind wir, was wir im Zeugnis unserer Hoffnung bekennen?‘.
Womöglich also wieder ganz von Vorn anfangen und über das gemeinsame Buchstabieren von GLAUBE in kleinen Gruppen das Pflänzchen ‚Kirche‘ neu und hoffentlich so besser zu verwurzeln. Mit Blick auf die Weltgeschichte und da auf den 8. Mai, das Ende von Krieg und Menschen verachtendem Regime vor 81 Jahren, ist uns das in diesem Land schon einmal gelungen! Aber, wir haben die Vorzeichen völlig geändert und müssen trotzdem auf unsere demokratischen Errungenschaften ständig Acht geben … was das wohl für eine Kirche von morgen heißen mag?!
Für Fragen und zur Diskussion: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 6. Sonntag in der Osterzeit im Lesejahr A 2026
Lesung: aus der Apostelgeschichte (8, 5 – 8 . 14 – 17)
DIE KIRCHE IN JUDÄA UND SAMARIEN
Philippus als Missionar in Samaria
5 Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündete dort Christus. 6 Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Zeichen, die er tat. 7 Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Verkrüppelte wurden geheilt. 8 So herrschte große Freude in jener Stadt. …
Petrus und Johannes in Samaria
14 Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. 15 Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. 16 Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn. 17 Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.
Lesung: aus dem ersten Brief des Apostel Petrus (3, 15 – 18)
Leiden und Hoffnung
… 15 heiligt vielmehr in eurem Herzen Christus, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt;[1] 16 antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden. 17 Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse.
Christi Leiden – Leiden der Christen
18 Denn auch Christus ist der Sünden wegen, ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.[2]
Evangelium: Johannes 14, 15 – 21
Die erste Abschiedsrede. Fortgang und neues Kommen Jesu
…
14 Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bitten werdet, werde ich es tun. 15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. 18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. 19 Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. 20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
