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† Erich Wucher

Jan Opiéla
Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
4. Sonntag der Osterzeit A (2026) Lesung: Apostelgeschichte 2, 14a . 36 – 41 und Evangelium: Johannes 10, 1 – 10, 26.04.2026
Der Evangelist Johannes scheint aus dem Blickwinkel eines ersten, ganz eigenen theologischen Ansatzes, bewusst die literarische Form eines zunächst recht rätselhaften Bildwortes gewählt zu haben. Denn zu der Abfassungszeit seines Textes, 80-100 n.Chr., setzen sich die wachsenden christlichen Gemeinschaften von den jüdischen Synagogen mehr und mehr ab, so dass es eines einigenden Bildes bedurfte, damit die junge Kirche selbstbewusster den Trennungsprozess angehen konnte. Im Gleichnis verschlüsselt sind es nämlich die jüdischen Autoritäten und Geistlichen, welche sich im ‚Schafstall‘, also der Synagoge, nicht gemäß ihrer eigenen Lehre verhalten und die ‚Schafe‘ über Gebühr mit religiösen Vorschriften überziehen. Dementsprechend waren also Durchhalteparolen und Szenen – plakathaften Karikaturen gleich – notwendig, welche auf dem dunklen Hintergrund der schändlichen Taten die Vorzüge der Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde aufzeigten. Im Gegensatz zu den rücklings in den Schafstall eindringenden Dieben und Räubern, welche nur zum Stehlen, Schlachten und Vernichten gekommen sind, wird Jesus als der ‚gute Hirte‘ herausgestellt, der seine ‚Schafe‘ am ‚Stallgeruch‘ (Taufe!) erkennt und ganz vertrauensvoll beim Namen ins (Be)Freie(nde) herausruft.
Doch wenn man nun der Sprachwissenschaft Glauben schenken darf, dann verbirgt sich gerade in dem ‚Herausrufen‘, was aus dem Griechischen ekkalein kommt, die genuine Wurzel von ‚Kirche‘ und wären demnach alle die gemeint, welche sich zu der von Jesus angeleiteten Freiheit haben bewegen lassen. Das dürften so auch viele, gerade mit Blick auf all das, was uns in der heutigen Zeit bindet und unfrei macht, möglicherweise bejahen. Doch dies nun mit ‚Kirche‘ in Verbindung zu bringen, fällt den jetzt aufbrechenden Generationen zunehmend schwerer. Von daher ist ‚Taufe‘ angedacht, doch bleibt es bei einem Segen mit zwar reichlich Weihwasser, was, ohne die gewollte gleichzeitige Mitgliedschaft in der Kirche, jedoch keinen sakramentalen Charakter hat, auch findet eine Segnung des Paares im entsprechenden Hochzeitsoutfit statt, was damit auch einer kirchlichen Trauung in Nichts nachsteht, jedoch fehlt der von Kirche vorgegebene rechtliche Rahmen wegen des nicht gewollten Ehe-Protokolls und letztendlich ist deshalb die Beerdigung ‚schön‘, weil das Leben der verstorbenen Person eine entsprechende Würdigung erfahren hat, wobei es jedoch unerheblich ist, ob ein kirchlicher Bezug als vormals praktizierendes Kirchenmitglied mit einem inzidierten Auferstehungsglauben gegeben war oder nicht.
Auf diesem aktuellen Hintergrund fällt bei einem flüchtigen Blick auf die Lesung aus der Apostelgeschichte als früheste Innenansicht von ‚Kirche‘ auf, dass es bereits da schon nötig schien aus dem eigenen christlichen ‚System‘ heraus mit einer Drohkulisse freie Entscheidungen zu einem ‚heraus-gerufen‘ werden, beeinflussen zu müssen, um für ‚Kirche‘ zu ‚begeistern‘, wenn Petrus verkündigt, ‚Laßt euch retten aus dieser verdorbenen Generation!‘ (Vers 40) in Anbetracht der eigenen noch zu vergebenden Sündenlast.
An der (Tür)Schwelle scheiden sich also die Geister, wenn die einen für sich darin nun eine unüberwindbare Hürde für ihr Verständnis von Freiheit sehen, anderen jedoch ein ‚niederschwelliges‘ Angebot reicht und Kirchenleuten mitunter das Problembewusstsein für derartige Entscheidungsprozesse ganz und gar abzugehen scheint.
Immer bei diesen sogenannten ‚Berufungsevangelien‘ habe ich das Bild des ‚guten Hirten‘ vor Augen, was meine bereits verstorbene Mutter (Jahrgang 1928) als bleibende Erstkommunion-Erinnerung damals von ihrer Pfarrei geschenkt bekommen hatte: Jesus vor einem in die Tiefe gehenden Wiesengrund sitzend, umspielt von Schäfchen und weiter verstreuten, welche noch zu ihm hin streben … Kirche (?) als Kapellengebäude ganz klein im Hintergrund mit verschlossener Tür!
ER ruft mich bei meinem Namen und allein mein JA zu ihm und seiner Botschaft ergibt dann in der Gesamtheit die Schar der Herausgerufenen, was dann ‚Kirche‘ ausmacht.
Für Rückfragen und Diskussion: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 4. Sonntag der Osterzeit Lesejahr A (2026)
Lesung: Apostelgeschichte 2, 14a . 16 – 41
Die Pfingstpredigt des Petrus
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! … 36 Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
Erste Bekehrungen
37 Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? 38 Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. 39 Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird. 40 Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht! 41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt. 42 Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.
Evangelium: Johannes 10, 1 – 10
Der gute Hirt
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. 3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. 4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. 5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. 6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. 9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. 10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. 11 Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. 12 Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er flieht, 13 weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. 14 Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. 16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. 17 Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. 18 Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen. 19 Wegen dieser Worte kam es unter den Juden erneut zu einer Spaltung. 20 Viele von ihnen sagten: Er ist von einem Dämon besessen und redet im Wahn. Warum hört ihr ihm zu? 21 Andere sagten: So redet kein Besessener. Kann ein Dämon die Augen von Blinden öffnen?
