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Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
26. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr C (2025) – Lesung: Amos 6, 1a . 4 – 7 und Evangelium: Lukas 16, 19 -31, 28.09.2025
Mit solch Sprüchen wie der Prophet Amos ‚Das Fest der Faulenzer ist nun vorbei‘ (Vers 7) versuchte, seine Leute zu einer Haltungsänderung zu bewegen, kommen auch heute Wirtschaftsanalysten bei uns nicht durch, wenn sie meinen, dass die Deutschen zu faul sind oder in Rente stehend, nochmal ein freiwilliges ‚soziales Jahr‘ nachlegen müssten. Deshalb wollen populistische Kräfte, um den Abwärtstrend zu stoppen, eher da aufräumen, wo es eh nichts zu holen gibt, die Transferleistungen kürzen, die Flüchtlinge an den Grenzen ausbremsen und deren Familiennachzug stoppen. Auf der linken Seite wäre es dann, die Reichen und Superreichen mit erhöhten Steuerlasten zu belegen, was als probates Mittel propagiert wird, jedoch regelmäßig zu Nichts führt. Es bleibt dann doch alles beim Alten, sprich, die Armen ‚arm‘ und die Reichen ‚reich‘!
So auch schon zur Zeit des Evangeliums, wo die einen in Leinen und purpurfarbenen Gewändern an Festmahlen teilnehmen und als Gegenpart zu dem, hier exemplarisch, der andere durch Geschwüre zum Unreinen gewordene, der sich mit den Hunden um die (Fladen)Brotreste stritt, womit zuvor die köstlichsten Speisen aufgenommen wurden und danach gleich einer gebrauchten Serviette hinter sich oder unter den Tisch geworfen wurden. Doch dieser Gegensatz war nach damaliger jüdischer Vergeltungslehre völlig normal und Mitleid war nicht angebracht. Zumal das Unglück der Armut als Folge eigener Schuld gesehen wurde, wie Reichtum als Bestätigung für Gottesnähe und Frömmigkeit galt.
Nach dem Tod änderte sich das Ganze jedoch umgekehrt proportional, genau der Stoff, aus dem die wunderschönen arabischen Märchen sind, die einen zum Durchhalten in auswegloser Situation animieren sollten. Doch genau dieses schicksalhafte Warten auf Besserung versucht Lukas mit seinem Evangelium nachhaltig anzugehen, denn ein stoisches Aushalten widerspricht einem von Jesus gelehrten und praktizierten Handlungsansatz zur Lebens- und Weltverbesserung im Hier und jetzt.
So muss es uns heute in der Nachfolge Jesu um die Fortschreibung dieser Aufbrüche gehen, die Überwindung von Lethargie, den ewigen Spruch, dass es doch ‚Gott gegeben sei‘ und alles eh ‚keinen Zweck‘ hat. Mithin ein Blick auf das Weltgeschehen und nur wenige Kommentare zur UN-Vollversammlung in ihrem 80ten Gründungsjahr machen deutlich, dass wir davon wohl noch weit entfernt sind.
Wir schaffen es nicht, die Bevölkerung dieser Welt zu ernähren, geschweige ihre Konflikte und Kriege je zu befrieden! Dennoch sind wir gleich dem einen der sechs Brüder aufgerufen, aktiv in Jesu Sinn ins Weltgeschehen einzugreifen, um den passiven Teil zur Umkehr zu bewegen. Aber scheint das Ganze nicht sinnlos, wenn sie, wie hier im Evangelium, schon dem stärksten Argument, dem Auferstehungsbeweis keinen Glauben schenken werden? Lässt sich in unseren westlichen Kulturen, wo die meisten Zeitgenossen, was das Religiöse betrifft, schon lange außerhalb jeglicher (kirchlicher) Hörweite sind und ausschließlich eine pralle Diesseitigkeit alles zu verdrängen scheint, überhaupt noch ernsthaft mit ‚Höllenqualen‘ argumentieren?
Da Hoffnungslosigkeit nun keine christliche Eigenschaft ist, steht mit einem Mal der bis dato unbeachtete Lazarus im Vordergrund, der trotz seiner vermeintlichen Bedeutungslosigkeit als einziger einen Namen trägt, welcher übersetzt in der Tat zum Programm wird: Gott hilft! Es könnte also sein, dass Gott dann begreifbar wird, wenn ich mir meiner Armseligkeit bewusst bin, da ein gleich irgendwie gearteter Reichtum aufgrund seiner offensichtlichen geistig-geistlichen Armut kaum tragfähig ist, den Abgrund der Unterwelt zu überbrücken. Aus dieser Gleichsetzung (Lazarus=Ich) ergäbe sich nun mittels Identifikation des Lazarus mit der Person Jesu, ein programmatisches Vorgehen für die christlichen Gemeinschaften heute. Sicher eine schwere prophetische Aufgabe in heutiger Zeit, wie schon damals der Name Amos (=Last Gottes) zeigte.
Für Rückmeldungen und zur Diskussion: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 26. Sonntag im Jahreskreis C (2025)
Lesung: aus dem Buch des Propheten Amos (6, 1a.4-7)
Worte gegen die Hauptstadt
1 Weh den Sorglosen auf dem Zion / und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria, den Vornehmen des Ersten unter den Völkern, / zu denen das Haus Israel kommt! 2 Zieht hinüber nach Kalne und seht! / Geht von da nach Hamat-Rabba / und steigt hinunter nach Gat, ins Land der Philister! Seid ihr besser als diese Reiche? / Ist ihr Gebiet größer als euer Gebiet? 3 Ihr, die ihr den Tag des Unheils hinausschieben wollt, / führt die Herrschaft der Gewalt herbei. 4 Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein / und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde / und Mastkälber aus dem Stall. 5 Ihr grölt zum Klang der Harfe, / ihr wollt Musikinstrumente erfinden wie David. 6 Ihr trinkt den Wein aus Opferschalen, / ihr salbt euch mit feinsten Ölen, / aber über den Untergang Josefs sorgt ihr euch nicht. 7 Darum müssen sie jetzt in die Verbannung, allen Verbannten voran. / Das Fest der Faulenzer ist vorbei.
…
Evangelium: Lukas 16, 19 – 31
Das Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus
19 Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag glanzvolle Feste feierte. 20 Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. 21 Er hätte gern seinen Hunger mit demgestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. 22 Es geschah aber: Der Arme starb und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. 23 In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von Weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß. 24 Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. 25 Abraham erwiderte: Mein Kind, erinnere dich daran, dass du schon zu Lebzeiten deine Wohltaten erhalten hast, Lazarus dagegen nur Schlechtes. Jetzt wird er hier getröstet, du aber leidest große Qual. 26 Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. 27 Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! 28 Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. 29 Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. 30 Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, aber wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. 31 Darauf sagte Abraham zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.
