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Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
4. Fastensonntag im Jahreskreis A (2026) „Laetare“ zum Evangelium nach Johannes 9, 1 – 41, 15.03.2026
Von den Potentaten aus dem Iran, früher auch Syrien und dem Irak, ist man bereits eine martialische Sprache gegen den Feind wie auch das womöglich aufrührerische eigene Volk gewohnt. Dass der Staat Israel in seiner schon biblischen Situation von existentieller Bedrängung um sich schlägt, folglich ‚Rache‘ und ‚Vergeltung‘ in der Tradition der Urväter seine Nachbarn mit unnachgiebiger Waffengewalt spüren lässt, haben wir noch in der Verwüstung des Gazastreifens vor Augen. Da stimmt nun auch der amerikanische Präsident, nicht nur sprachlich mit ein, wenn er den Iran mit seinem Eingreifen ‚in die Hölle bomben‘ will. Wenn nun die Flüchtenden mit ihren wenigen Habseligkeiten, wie die Fernsehbilder eindrücklich zeigen, ausgemergelt laut gestikulierend die Hände zum Himmel erheben und Gott klagend anrufen, dann wird förmlich ihre Frage verstehbar, ‚Womit haben wir das verdient?‘ Und weil keine schlüssige Antwort nach dem Schuldigen kommt oder von Staatswegen unterdrückt, wird diese Leerstelle nun mit einer Schuldumlenkung über Gott gefüllt. (Vergleichbar mit dem ‚monopoly-Spiel‘ … ‚gehe über LOS und ziehe eine Ereigniskarte‘).
Ein derart denkbarer Vorgang steht dann letztendlich hinter der Frage aus dem Evangelium, welche die Jünger mit Blick auf einen Blindgeborenen stellen, ‚Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde? (Vers 2). Heute nennt die wissenschaftliche Theologie dieses Konstrukt völlig trocken einen TUN-ERGEHEN Zusammenhang, den ganz vereinfacht uns der Zappel-Philip mit seiner Geschichte erklärt, wenn er mit seinem verbotenen TUN den ganzen eingedeckten Tisch über sich einreißt und es ihm dementsprechend unter all der Last (schlecht) ERGEHEN muss. Jesus durchbricht diese, hier nun auf Generationen erweiterte Kausalität mit den Worten, ‚Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, …‘, was uns zunächst einmal beruhigen könnte. Jedoch lässt uns die zweite Hälfte der Antwort ‚… sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden‘ (Vers 3) dann nicht weniger fassungslos dastehen. Genauso scheint auch die von Jesus vorgenommene Behandlungsmethode ‚… spuckte auf die Erde … machte mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schilóach!‘ (dessen Name nichts anderes besagt, dass der Teichinhalt über ein Rohrleitungssysteme mit ‚gesandtem / geschicktem‘ Wasser gespeist wurde, (vgl. Vers 6 u. 7) heute völlig aus der Zeit gefallen. Was sind das für Medizinmann Methoden und braucht Gott tatsächlich die Behinderung von Menschen, um sein Gott-Sein zu beweisen?
Vielleicht ist deshalb nicht der Heilungsvorgang, sondern das Ergebnis, ‚und als er zurückkam, konnte er sehen‘ (Vers 7), ausschlaggebend und in der Folge die Reaktion der Menschen darauf, damals wie heute! Die Nachbarn scheinen sich gar nicht zu freuen, sondern sind ausschließlich daran interessiert, ihre Neugier zu stillen; die Eltern trauen sich nicht so recht, zu ihrem Kind zu stehen, weil sie vielleicht schon genug Abfälliges durch die Blindheit, die Kommentare und ‚lieben‘ Ratschläge der Mitmenschen haben über sich ergehen lassen müssen; das gemeine Volk reagiert wie bei einer heutigen Realityshow, nämlich sensations-lüstern, hingegen haben die Pharisäer bereits den Durchblick, da sie allein am Hintermann, Jesus, interessiert sind, den sie als Sabbatschänder und Gotteslästerer überführen wollen!
Mit dem Ablegen der ‚Blindenbrille‘ – im übertragenen Sinne – wird der Blinde nur noch benutzt, jedoch nicht als Person wahrgenommen und zeichenhaft aus der Gemeinschaft der Synagoge ausgeschlossen!Dieser Vorgang steht in Korrespondenz zu den historischen Ereignissen um das Jahr 90 n.Chr. von wo an die zum christlichen Glauben gelangten Juden durch ihre Zeitgenossen der jüdischen Ritusgemeinschaften verwiesen worden sind. Folglich haben wir es gar nicht mit einer Heilungs- sondern eher mit einer Glaubens-Geschichte zu tun, was deutlich wird, wenn der nun ‚sehend‘ Blinde abseits aller Fremdinteressen nach einem kurzen Dialog mit Jesus den Durchblick erhält. ‚Glaubst du an den Menschsohn?‘ … ‚Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.‘ … ‚Du siehst ihn vor dir, er der mit dir redet, ist es.‘ …
‚Ich glaube, Herr!‘ (Verse 35-38).
Diese drei Worte sind nun die Essenz, worauf unsere ganze Geschichte hinausläuft und sich damit automatisch die Frage einstellt, ob das so notwendig ist und sich der ganze Aufwand dafür lohnt? Fraglos ist das so, wenn man in einer Edelbrand Destille vor dem riesigen Gewirr von Rohrleitungen, Trichtern und Gefäßen steht und wie ich aus eigener Anschauung mitbekomme, dass am Ende des Brennvorganges das Kostbare tröpfchenweise aufgefangen wird, damit vergleichbar für uns Christen in einem „Ich glaube, Herr!“
Für Rückmeldungen und zur Diskussion: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 4. Fastensonntag im Jahreskreis A (2026)
Evangelium: Johannes 9, 1 – 41
Die Heilung des Blindgeborenen
1 Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. 2 Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? 3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. 4 Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. 8 Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9 Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. 10 Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? 11 Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen. 12 Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. 13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. 15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. 16 Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. 17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet. 18 Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten 19 und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sieht? 20 Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21 Wie es kommt, dass er jetzt sieht, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen! 22 Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Christus bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. 23 Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst! 24 Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. 25 Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. 26 Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? 27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden? 28 Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. 29 Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. 30 Der Mensch antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. 31 Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. 32 Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. 33 Wenn dieser nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. 34 Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. 35 Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? 36 Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? 37 Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. 38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. 39 Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden. 40 Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? 41 Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.
