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Jan Opiéla, Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
22. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: Jeremia 20, 7 – 9; Römer 12, 1 – 2 Evangelium: Matthäus 16, 21 – 27, 30.08.2026
Der kleine Mann mit dem Trikot in den Vereinsfarben seines großen Fußballvorbildes steht im Kreis der Taufgesellschaft und versucht nun zu Beginn der Tauffeier bei der Übergabe des Kreuzzeichens, dieses so gut er kann, nachzumachen, was ihm auch schon gelingt. Doch auf die Frage, wo jetzt unser Vereinsabzeichen mit unserem großen Vorbild Jesus geblieben ist, stutzt er … und nach längerem Überlegen kommt dann ein knappes „weg!“.
Manchmal zuppelt sogleich jemand an seiner Halskette und weist dann, eher verschämt, auf ein kleines Umhänge-Kreuzchen. Das jedoch besitz dann eher persönliche Schutzfunktion und hat weniger öffentlichen Bekenntnischarakter. Denn irgendwie scheint emotional das Zusammentreffen von Neugeborenen und Kreuz als Auftakt zur Taufe viel zu krass, zumal wir in diesem Moment die ganze Glaubenswahrheit von ‚Tod und Auferstehung‘ nicht realisiert bekommen, geschweige zeichenhaft darstellen könnten.
Entsprechend muss es wohl auch dem Petrus mit seinem großartigen Messias-Bekenntnis vom letzten Sonntag gegangen sein, so dass er jetzt die Leidens- und Todesankündigung von Jesus am besten verschwiegen wissen will. Für dieses Ansinnen erfährt er von Jesus aber heftige Gegenrede, ‚Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen!‘ (s. Vers 23), in dem Sinne, dass nun Petrus sich wieder hinter seinen Meister einordnen und genau hinschauen soll, welchen Weg dieser einschlägt, dem er dann zu folgen hat. Überhaupt hatte Jesus dem großen Petrus Auftritt schon von Anfang an nicht so richtig getraut, wenn er unmittelbar darauf seine Vermutung ausspricht, dass das eine Eingabe von höherer Stelle war, quasi von Gott selbst souffliert.
Damit heutige Taufgesellschaften eben nicht völlig konfus und über den kirchlichen Taufritus kopfschüttelnd dann ganz schnell zum geselligen Teil der Feier übergehen, bekommen bei mir nun mit dem Kreuzzeichen alle ein kleines rotes Sticker-Herzchen, was einerseits zum besseren Verstehen der christlichen ‚Corporate Identity‘ dient und andererseits nochmals daran erinnern mag, dass es die unbedingte Liebe war, welche die Taten und Lehre Jesu ausmacht und ihn deswegen letztendlich ans Kreuz brachte.
Wir schlagen also einen Erfahrungsumweg ein, zumal nur ganz selten einer von denen, die den Täufling ins Christ-Sein begleiten, wie der Prophet im Buch Jeremia, auch aus persönlicher Lebenserfahrung wird sagen können, ‚Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt‘ (s. Vers 7). Auch scheint es kaum angebracht, die Taufe nun für eine Paränese zu nutzen und Paulus gleich, wie dieser seine Gemeindemitglieder in Rom ermahnte, nun mit einer kraftvollen Predigt die Taufgemeinde auf ein alternatives Leben in Christus einzuschwören. Wir werden heute keinen Zeitgenossen mehr zum Glauben bewegen können, wenn wir mit der kompletten Trias von ‚Leben, Tod und Auferstehung‘, gleichsam wie mit der gesamten Haustür ins Haus, so nun ins Lebensgebäude der Menschen einfallen.
Zumal ja eine kontinuierliche, lebensbegleitende religiöse Sozialisation für die allermeisten Kinder entfällt und sich die Frage stellt, wo sie an den klassischen Lebenswende- und Knackpunkten noch christliche Reaktion erfahren können. Wie reagiert der Christ auf die Krankheit, die zum unausweichlichen Tod führt, die alles verändernde Unglücksnachricht und wie ist es möglich, das Sterben im eigenen Umfeld in sein Leben so integrieren zu können, ohne bei jeder Todesnachricht völlig aus der Rolle zu fallen? Wir können es nun drehen und wenden wie wir wollen, noch so viel KI befragen und ChatGPT einsetzen, es bedarf der ganz lebendigen Vorbilder, Frauen und Männer mit Herz, welche in ihr selbiges Blicken lassen und sich nicht wegducken, wenn’s brenzlig wird. … trotz allem werde ich nicht selten im Anschluss an die Taufe gebeten, dann doch das kleine Umhänge-Kreuzchen als Geschenk für das Taufkind zu segnen!
Fragen und Diskussionsbeiträge gerne an: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 22. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Evangelium: Matthäus 16, 21 – 27
Die erste Ankündigung von Leiden und Auferstehung Jesu
21 Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, er müsse getötet und am dritten Tag auferweckt werden. 22 Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! 23 Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Nachfolge und Selbstverleugnung
24 Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. 26 Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? 27 Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.
Lesung: aus dem Buch Jeremia (20, 7-9)
Fünfte Konfession des Propheten Jeremia
7 Du hast mich betört, o HERR, / und ich ließ mich betören; / du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, / ein jeder verhöhnt mich. 8 Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, / Gewalt und
Unterdrückung! muss ich rufen. Denn das Wort des HERRN bringt mir / den ganzen Tag nur Hohn und Spott. 9 Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken / und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so brannte in meinem Herzen ein Feuer, / eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es auszuhalten, / vermochte es aber nicht.
Lesung: aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer
(12, 1-2)
Das Leben als Gottesdienst
1 Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
