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Jan Opiéla, Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
10. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: Hosea 6, 3 – 6 und Evangelium: Matthäus 9, 9 – 14, 07.06.2026
„Dann opfere ich mich halt!“ und schon landet das ‚arme‘ Würstchen, was von allen verschmäht, übriggeblieben noch im Topf schwimmt auf meinem Teller. Ich hatte mich also der ‚allerletzten‘ erbarmt, bevor sie womöglich von unserem Klosterhund mit einem Schwups verputzt worden wäre und als genussvolle Köstlichkeit weder erkannt noch zur Geltung gekommen wäre. Damit sind in der Tat die Texte des heutigen Sonntags, sicher auf eine recht eigene Art und Weise, aber dennoch vollständig erfasst.
Jesus macht hier im Evangelium mit Rückgriff auf den Propheten Hosea klar, dass Gott keinen Gefallen findet, weder an Schlachtopfern noch an Brandopfern. Denn diese wurden ausschließlich zum persönlichen oder dem Wohlergehen des Volkes im Tempel geordert und Gott vorbeugend schon einmal angeboten, um so gegenüber allen möglichen Unbilden gewappnet zu sein. Entweder den Zorn Gottes aufgrund eigener begangener Untaten abzumildern oder sich frühzeitig schon einmal der Hilfe Gottes gegenüber unterschiedlichsten Gefahren von außen zu versichern. Gott jedoch betreibt keine Versicherungsagentur, um uns, je nach berechnetem Risiko dann am Tor des Tempels zur Kasse zu bitten. Deshalb ist ihm daran gelegen, das in unserem Leben womöglich frühzeitig zu lernen und ihn im Wirken Jesu als einen Gott zu erkennen, dem an der Liebe zu den gesellschaftlich wie religiös Ausgestoßenen gelegen ist. Genauso wenig wie Jesus keine Vorbedingungen stellt, als er Matthäus zur Nachfolge auffordert, lässt er sich auch unversehens auf das ein, was ihm dieser ‚Sünder‘ nun seinerseits anzubieten hat, nämlich die Gastfreundschaft. Ohne diesen bedingungslosen Schritt auf den Menschen zu, wäre Jesus wahrscheinlich nicht in den ‚Genuss‘ dieser illustren Gesellschaft um den Zöllner Matthäus gekommen!
Auf diesem Hintergrund müssen sich nun alle Handlungsebenen von Kirche anfragen lassen, falls wir nur auf strickte Glaubenssicherheit setzen und mit denen Kirche machen, die auf Glaubenskongressen anzutreffen sind oder meinen, die Gläubigen von morgen auf Anbetungsevents mit Eintrittsgeld und Vorkasse(!) rekrutieren zu sollen. Wie viele wertvolle Begegnungen und echte Auseinandersetzungen um eine glaubwürdige Gottesbeziehung, auch außerhalb einer teilweise kaum noch zu vermittelnden Institution Kirche, gehen uns da verloren? Denn, ob wir die Menschen noch mit unseren neuen pastoralen Großräumen erreichen werden, bleibt abzuwarten, zumal Jesus hier im Evangelium beispielhaft aufzeigt, dass ‚Berufung‘ von Angesicht zu Angesicht geschieht, wobei kaum weniger ausschlaggebend ist, das Gefühl für den rechten Ort und den richtigen Moment zu entwickeln, was so individuell in der Fläche zukünftig wohl kaum bewerkstelligt werden kann.
Es blieben dann noch die Anlassbezogenen Begegnungen wie Taufe, Hochzeit und Beerdigung. Da lautet dann die Frage, ob wir bereit sind, uns von der Sammeltaufe wieder auf die Familien bezogene Feier einzulassen, um über das ganz individuelle Vorbereitungsgespräch dem einzelnen Täufling im speziellen familiären Kontext gerecht zu werden? Ob wir bereit sind, zu ‚trauen‘ auch ohne kirchliche Zulassungspapiere und uns nicht scheuen, Segensfeiern dann als sichtbaren Akt individuell auszugestalten? Und sind wir bereit bei der Beerdigung/Beisetzung ganz auf den kirchlichen Ritus zu verzichten, um der Persönlichkeit des Verstorbenen und seiner Erinnerung voll Rechnung tragen zu können? Das wiederum setzt voraus, dass zuvor ein Kondolenzbesuch im Trauerhaus (!) mit einem umfassenden Gespräch stattfindet, um dann ganz individuell bei der Verabschiedung über Gott und den Verstorbenen reflektieren zu können.
Doch Bedingung für all das ist das Wagnis der Liebe, was mir in keiner Weise gegeben scheint, wenn man sieht, wie bei gottesdienstlichen Großveranstaltungen regelmäßig vor dem Kommunionempfang peinlichst genau verlesen wird, wer und unter welchen Bedingungen nun zum ‚katholischen‘ Gastmahl des einen, allumfassenden Gottes eingeladen ist.
Für Rückmeldungen und zur Diskussion: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 10. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Lesung: aus dem Buch Hosea ( 6, 3 – 6 )
1 Auf, lasst uns zum HERRN zurückkehren! / Denn er hat gerissen, er wird uns auch heilen; / er hat verwundet, er wird uns auch verbinden. 2 Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück, / am dritten Tag richtet er uns wieder auf / und wir leben vor seinem Angesicht. 3 Lasst uns ihn erkennen, / ja lasst uns nach der Erkenntnis des HERRN jagen! Er kommt so sicher wie das Morgenrot; / er kommt zu uns wie der Regen, / wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt. 4 Was soll ich mit dir tun, Efraim? / Was soll ich mit dir tun, Juda? Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen / und wie der Tau, der bald vergeht. 5 Darum habe ich durch die Propheten zugeschlagen, / habe sie durch die Worte meines Mundes umgebracht. / Dann wird mein Recht hervorbrechen wie das Licht.[1] 6 Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, / an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.
Evangelium: Matthäus ( 9, 9 – 13 )
Nachfolge und Mahl
9 Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach. 10 Und als Jesus in seinem Haus bei Tisch war, siehe, viele Zöllner und Sünder kamen und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. 11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? 12 Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. 13 Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
