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Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
5. Fastensonntag im Jahreskreis A (2026) -Passionssonntag- Lesung: Ez 37, 12b – 14 u. Evangelium: Johannes 11, 1 – 45, 22.03.2026
Sobald die wärmende Sonne wieder da ist, sind es auch die Artisten an den Kreuzungen der großen Ausfallstraßen in Köln. In den langen Rotphasen geben sie ihre kleine Vorstellung, haben ein genaues Timing, um noch schnell mit dem Hut an der Autoschlange entlang, ihre Gage einzustreichen. Da ist es schon spannend, ob der Hutjongleur nach dem dritten, den vierten und womöglich … nein, den fünften hat er diesmal nicht in den Kreislauf von linker Hand, rechtem Fuß, über Kopf usw. bringen können.
Dem Johannesevangelisten hingegen gelingt der Spannungsaufbau an den Fastensonntagen vom Widerstand der teuflischen Begegnung in der Wüste (I.), der Strahlkraft in Jesu Person, die das Allerwelthafte verklärt (II.), über die kleine Wahsagerei, was die Anzahl von Männern der Frau am Jakobsbrunnen betraf (III.), die unglaubliche Blindenheilung (IV.), bis zur Totenerweckung (V.) mit kaum zu toppendem Schwierigkeitsgrad einer zwei tägigen Verzögerung, so dass das Leid schon zum ‚Riechen‘ war (vgl. Vers 39)! Doch die tägliche Realität der Weltnachrichten entzaubert, denn dort brauchte es viele Wunder, die jedoch auf ‚wundersame‘ Weise allesamt ausbleiben.
Wie erst könnten wir dann den aller schwierigsten Akt von Kreuzigung, Grablegung und greifbarer Begegnung Jesu mit seinen Jüngern an Pfingsten verstehen, besonders aber den dazwischen ausgespannten österlich artistischen Drahtseilakt, um mit Bewusstsein den ‚letzten Hut‘ mit der Aufschrift ‚Auferstehung‘ tragen zu können?
Von daher scheint es dem Johannes Schriftsteller nicht um das Aussetzen von schmerzlich gemachter menschlicher Erfahrung zu gehen, sondern um Aufmerksamkeit für die göttliche Botschaft und den darin enthaltenen Auftrag an uns. Folglich lässt sich der Verstehens-Schlüssel nicht in der spektakulären Totenerweckung mit besonderem Schwierigkeitsgrad finden, sondern darin, dass viele Juden, die zu Maria gekommen waren, aufgrund dieser zeichenhaften Tat Jesu, zum Glauben kamen (vgl. Vers 45). Denn Johannes schreibt seine Jesus-Geschichte so zwischen 80-90 n.Chr. auf dem Hintergrund der Fragen bereits etablierter Christen-Gemeinden mit dem Ziel, den Glauben weiter zu festigen und zu verbreiten. Damit ist seine Erzählung vom Leben Jesu und das Kreuzigungsgeschehen im Gegenlicht der im Glauben erfahrenen Auferstehung zu sehen. Johannes selbst spricht im Epilog, zum Schluss seines Evangeliums von Zeichen (Jesu), die er aufgeschrieben hat, damit die Menschen zum Glauben kommen. Mit der Totenerweckung wählt er also extrem Zeichenhaftes, damit die Menschen gleichsam wie bei einem Stopp-Schild (Zeichen!) im Straßenverkehr unbedingt in ihrem alltäglichen ‚Gebrassel‘ zum Stillstand kommen und durch die anzunehmende Taufe, Licht in das Dunkel ihres Lebens bringen, da sie ansonsten der ewigen Finsternis verfallen wären. Überaus deutlich wird seine missionarische Absicht mit dem von ihm für den Toten programmatisch gewählten Namen, ‚Lazarus‘, was übersetzt heißt, ‚Der, dem Gott hilft‘!
Bis dato bauen jedoch immer weniger Menschen auf die Hilfe Gottes in ihrem oder dem Leben ihrer Kinder und verschwendeten folglich kaum noch einen Gedanken an das Sakrament der Taufe. Mit Sicherheit erschließt sich auch das theologische Konstrukt des Johannes einer heutigen jüngeren Generation nicht mehr und schon lange nicht in Verbindung mit einem automatischen Begehren der Taufe. Trotzdem erlebe ich einen kleinen Tauf-Boom und ergibt sich gleichfalls nach der neusten kirchlichen Statistik (2025) eine leichte Steigerung. Hier geht es jedoch weniger um eine Kirchenmitgliedschaft, als die gemachte Erfahrung mit dem STOPP-Schild im Leben und der Frage, wie wir wieder aus den Gräbern heraufgeholt werden könnten (s. Lesung), die wir uns im Kleinen wie in der Weltpolitik gerade gegenseitig schaufeln, wenn wir nicht Hilfe bekommen … Lazarus!
Für Rückmeldungen und zur Diskussion: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 5. Fastensonntag im Lesejahr A (2026) Evangelium: Johannes 11, 1 – 45
Die Auferweckung des Lazarus
1 Ein Mann war krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Marta. 2 Maria war jene, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren abgetrocknet hatte; deren Bruder Lazarus war krank. 3 Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. 4 Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. 5 Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lazarus. 6 Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. 7 Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen. 8 Die Jünger sagten zu ihm: Rabbi, eben noch suchten dich die Juden zu steinigen und du gehst wieder dorthin? 9 Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht; 10 wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist. 11 So sprach er. Dann sagte er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken. 12 Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden. 13 Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf. 14 Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben. 15 Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen. 16 Da sagte Thomas, genannt Didymus, zu den anderen Jüngern: Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben![1] 17 Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. 18 Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. 19 Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. 20 Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen. 21 Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. 22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. 23 Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. 24 Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. 25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, 26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? 27 Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. 28 Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen. 29 Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm. 30 Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte. 31 Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen. 32 Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. 33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. 34 Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! 35 Da weinte Jesus. 36 Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! 37 Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? 38 Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. 39 Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. 40 Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 41 Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 42 Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 43 Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen! 45 Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn. 46 Aber einige von ihnen gingen zu den Pharisäern und sagten ihnen, was er getan hatte.
Lesung: aus dem Propheten Ezechiel 37, 12b – 14
Vision von der Auferweckung Israels
So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zum Ackerboden Israels. 13 Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole. 14 Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig und ich versetze euch wieder auf euren Ackerboden. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin. Ich habe gesprochen und ich führe es aus – Spruch des HERRN.
