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Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
2. Sonntag in der Weihnachtszeit Lesung: Eph 1, 3 – 6 . 15 – 18 und Evangelium: Johannes 1, 1 – 18, 04.01.2026
Weihnachten, da gehört eigentlich die Krippe in den Schnee, das scheint so fester Bestandteil unserer DNA zu sein und ist deshalb auch immer die zentrale Frage der Wettervorhersage vor dem Heiligen Abend.
Nun ist der Schnee da und auch noch ein zusätzlicher Sonntag in der Weihnachtszeit, doch das heutige Evangelium, die Geburtsgeschichte nach Johannes, will gar nicht so recht passen. Die uns bekannte, liebliche und mithin verspielt daherkommende Geburtsszene, die wir meinen, so mit allen Krippendetails dem Lukasevangelium entnehmen zu können, besteht hier aus einem zentralen Satz, ‚Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit‘ (s. Vers 14). Das nun darstellen zu wollen, geht, wie manche meinten, an die Grenzen des guten Geschmacks, als im Fernsehgottesdienst am Heiligen Abend, zu Beginn in einer Performance, ein nackter Mensch von nassem Reispapier überzogen, sich in einem Haufen Stroh wandte. Doch nichts anderes als der sichtbare Eintritt des Menschen in diese Welt, die Geburt, ein Vorgang, der sich wohl kaum ‚lieblich‘ darstellen lässt, erregte so viel Aufsehen.
In der Tat lassen sich unsere Krippen mit all den liebgewonnen Nebensächlichkeiten wohl wieder wegpacken, doch was bleibt, das sind all die vielen erwartungsvollen Worte, welche über den, der da kommen soll, nun greifbar Mensch geworden ist. Selbst wenn die letzte Tannenbaumnadel im Staubsauger verschwunden ist, Gott bleibt und wir werden nicht zu ‚unserer‘ Normalität zurückkehren können.
Vielleicht ist der Johannes Evangelist in seiner Sprache deshalb so unumwunden deutlich, da er hier in seiner Präambel zum Evangelium, welche ja bekanntlich zum Schluss verfasst wird, uns, mit dem Blick auf Leben, Kreuz, Tod und Auferstehung, nur die Essenz vermitteln will und deshalb alle Nebensächlichkeiten ausblendet.
Es kommt ihm nicht auf die Gestalt Jesu an, sondern dass die göttlichen Worte durch diese Person in die Tat umgesetzt wurden, Bewegung ausgelöst und Veränderung bewirkt haben und mit der Auferstehung wieder göttliche Botschaft wurden, eben nicht mit einem toten Körper im Grab verblieben sind. Jesus war letztendlich nur der Mensch gewordene Anwender des göttlichen Wortes, um uns einzuführen in die Botschaft, fit zu machen, die Liebe Gottes in dieser Welt unter die Menschen zu bringen, um so Bewegung und Änderung auf ein, Gott gewolltes, Miteinander hin zu bewirken.
In diesem Sinne ganz zielstrebig hatte schon Markus mit seinem Ur-Evangelium völlig auf eine Geburtsgeschichte verzichtet und sich ganz auf die Taten Jesu mit der letzten Konsequenz des Kreuzestodes konzentriert.
Wie wir nun dieser Weihnachtsbotschaft in den letzten Tagen begegnet sein mögen, ob über minutiös gestaltete Krippenlandschaften, ungelenk, kindliche Krippenfeiern, festliche Hochämter oder stimmungsvolle Christmetten zur später Stunde, es kommt allein darauf an, ob wir uns durch IHN die Augen unserer Herzen erleuchten lassen, damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir durch ihn berufen sind, welchen Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes er uns schenkt!
Dieser Wunsch, den schon der Apostel Paulus (vgl. Vers 18) zu Beginn seines Sendschreibens an die Gemeinde in Ephesus verfasst hatte, möge auch uns in das kommende Jahr begleiten.
Für Diskussion, Anregungen und Fragen: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 2. Sonntag nach Weihnachten 2025 im Lesejahr A
Lesung: aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser
(Eph 1, 3 – 6 . 15 – 18)
ANSCHRIFT UND GRUSS
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Loblied auf den Heilsplan Gottes
3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. / Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. 4 Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt, / damit wir heilig und untadelig leben vor ihm. 5 Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, / seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen, 6 zum Lob seiner herrlichen Gnade. / Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
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Gebet um Erkenntniss
15-16 Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke; denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn, und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört. 17 Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. 18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt 19 und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.
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Evangelium: Johannes 1, 1 – 18
DER EINTRITT DES GÖTTLICHEN WORTES IN DIE WELT
Der Prolog
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.[1] 4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.[2] 6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. 14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.
