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Jan Opiéla, Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
11. Sonntag im Jahreskreis A (206) Lesung: Römer 5, 6 – 11 und Evangelium: Matthäus 9, 36 – 10, 8-14 (erweitert), 14.06.2026
Irgendwann braucht man sie dann doch noch mal, die ‚Betriebsanleitung‘! Glücklich, wer sie alle gesammelt hat und auch noch weiß, in welcher Schublade sie zu finden sind.
Das Evangelium könnte ähnlich einer solchen Anleitung unter der Überschrift ‚Handbuch für erfolgreiche Verkündigungsarbeit‘ zu suchen sein, besteht jedoch wie meistens zunächst aus kleingedrucktem Fachchinesisch. Apostelnamen, detaillierte Aufführung von Ausrüstung, Vorgehensweise bei der Verkündigung und natürlich dürfen die Gefahrenhinweise nicht fehlen.
Da drängt sich schon die Frage auf, ob das überhaupt für ‚Normalchristen‘ verfasst ist und sich nicht nur an die Profis wendet und falls doch nicht, scheint die Anleitung jedenfalls völlig veraltet! Aus den 12 sind über zwei Jahrtausende Millionen geworden, verkünden Radiostationen und Bibel TV, ja selbst Frauen sind aus der Glaubensverbreitung nicht mehr wegzudenken. Die im Auftrag der Botschaft unterwegs sind, erhalten auch ein Gehalt und besitzen schon mehr als nur ein zweites Hemd (vgl. Mt Vers 10). Überhaupt hat es bereits recht früh ein Apostelkonzil gegeben und weitere Kirchenversammlungen, wo es immer wieder um die Mission und später sogar um die Inkulturation des Glaubens im Zusammenspiel mit Riten und Bräuchen der neu hinzugewonnen Völker und ihren speziellen kulturellen Eigenschaften ging.
Was kann uns der Text also heute überhaupt noch sagen, selbst wenn eine Erklärung und ein Transponieren in unsere Zeit gelingen sollte?
Zunächst wird Jesus hier die Bildsprache von den erschöpften Schafen ohne Hirten in den Mund gelegt und geht es um die übergroße Ernte mit den fehlenden Arbeitern, was vordergründig völlig einleuchtend und harmloser scheint. Doch treffen hier, was die Sorge um die Schafe angeht, der Begriff ‚Barmherzigkeit‘ auf das ‚Gericht‘, was in der Bibel gemeinhin mit der Ernte in Verbindung gebracht wird, aufeinander (vgl. Vers 36/8). Wobei beide Begriffe auf ein und denselben Gott bezogen sind und folglich in einem Spannungsverhältnis stehen. Für den Matthäus Erzähler ist Gott nicht nur barmherzig, dem lieben Jesulein gleich aber auch nicht nur Gericht und bleibt folglich auch für ihn nicht fassbar, kein Gott, der so ist und nicht anders!
Gleichfalls für uns, die wir noch im katholischen Milieu groß geworden sind, überrascht die Anweisung, wonach der Bote sich am unbekannten Missionsort erkundigen soll, ‚wer es wert ist‘ ihn aufzunehmen und er den Frieden nur dann wünschen soll, ‚wenn das Haus es wert ist‘ und dann auch dort einkehren kann, ansonsten soll er zeichenhaft den Staub von seinen Füßen zur Missachtung abschütteln (s. Verse 12/4). Es geht also nicht um eine sich anbiedernde Missionierung an allen Straßenecken und zu jeder Gelegenheit, sei es ‚gelegen oder ungelegen‘.
Schon für den Evangelisten Matthäus hat die Botschaft zu seiner Zeit nicht immer und überall gepasst, geschweige sollten wir uns die Nase einschlagen lassen oder mit unseren Sakramenten-Katechesen vor Wände des Desinteresses laufen. Wenn nun schlussendlich Besitzlosigkeit (keine Vorratstasche, Hemd, Schuhe), Heimatlosigkeit (‚bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlasst‘ s. Vers 12) und Gewaltlosigkeit (kein Wanderstab zur Verteidigung, s. Vers 10) von den Verkündern eingefordert wird, beschreibt Matthäus hier die ‚Wanderradikalen‘ seiner Zeit, welche auch schon konträr zu den frühchristlichen, sesshaften und etablierten Gemeinden standen. Es ging also auch schon damals, wie erst recht heute, um die Ganzheitlichkeit von Verkündigung, zumal ‚Kirche‘ viel sagen kann, doch ob sie es auch tut, das bleibt gerade heute mehr denn je dahingestellt.
Dieses langsame Auseinanderdriften scheint auch schon Matthäus vor Augen gehabt zu haben, als er wie wir sagen könnten – seine Betriebsanleitung für eine ‚bessere Gerechtigkeit‘ auf dem Hintergrund der Umsetzung der Lehre Chrsti geschrieben hat, was an Aktualität bis heute an nichts eingebüßt.
Für Diskussion, Anregungen und Fragen: jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 11. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Lesung: Brief des Apostel Paulus an die Römer (5, 6 – 11)
Hoffnung auf die Verwirklichung des Heils
1 Gerecht gemacht also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. 2 Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. 3 Mehr noch, wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. 5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. 6 Denn Christus ist, als wir noch schwach waren, für die zu dieser Zeit noch Gottlosen gestorben. 7 Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. 8 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. 9 Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Zorn gerettet werden. 10 Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben. 11 Mehr noch, ebenso rühmen wir uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn, durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.
Evangelium: Matthäus 9, 36 – 10, 8 (erweitert 9-14)
Über die große Ernte und die wenigen Arbeiter
35 Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden. 36 Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. 37 Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. 38 Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!
Die Wahl der Zwölf
1 Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. 2 Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, 3 Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, 4 Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn ausgeliefert hat.[1]
Die Aussendung der zwölf Jünger
5 Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, 6 sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! 7 Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! 8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. 9 Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel! 10 Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. 11 Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer es wert ist, euch aufzunehmen; bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlasst. 12 Wenn ihr in ein Haus kommt, dann entbietet ihm den Gruß. 13 Wenn das Haus es wert ist, soll euer Friede bei ihm einkehren. Wenn das Haus es aber nicht wert ist, dann soll euer Friede zu euch zurückkehren. 14 Und wenn man euch nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, geht weg aus jenem Haus oder aus jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen! 15 Amen, ich sage euch: Dem Gebiet von Sodom und Gomorra wird es am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als dieser Stadt.
