
Jan Opiéla, kath. Seelsorger
für ‚Roma u. Sinti‘ im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
und Präses der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Köln
2. Sonntag im Jahreskreis A (2026) Lesung: aus dem 1. Brief des Apostel Paulus an die Korinther 1, 1-3 und Evangelium: Johannes 1, 29-34
„Bestimmt kannst Du dich an meine Taufe erinnern?!“ kommt es so von oben her, einem freundlich grinsenden Typ, der gut anderthalb Kopf größer ist als ich. Falls nun im Babyalter getauft, bleibt bei den ungezählten, von mir begleiteten Taufen, eine Erinnerungslücke dann kaum aus, welche aber gleich mit einer Fotosequenz aus dem Handy gefüllt werden konnte. Wie die dort festgehaltenen, nachvollziehbaren Elemente bei der kirchlichen Taufe, von dem einleitenden Kreuzzeichen, dem Einreiben mit Katechumenen-Öl, über das Entzünden der Taufkerze am Osterlicht, dem weißen Kleid und schließlich der gottgleichen Salbung mit Chrisam-Öl, bis zum gemeinsamen Segen über Tauf-Kind und Eltern, so scheint uns auch der Evangelist Matthäus am letzten Sonntag, dem Fest ‚Taufe des Herrn‘, mit seinem Evangelium (Mt 3, 13-17) die äußeren Vorgänge vermittelt zu haben. Doch mit dem Erwachsenwerden und langsamen Herauslösen aus der elterlichen Obhut, stellt sich für viele dann schon die Frage nach der qualitativen Veränderung. Ganz banal, „was bringt mir das?“ und „lohnt sich das überhaupt?“. Fragen die immer dann im Raum stehen, wenn Ungereimtheiten und unlösbare Verknotungen im Leben auftauchen und ich suchend den Blick auf einen hoffentlich gnädigen Gott im Himmel richte. Heute mehr denn je werden auch die Anfragen an Kirche immer bedrängender und die Bleibe-Argumente hingegen von Mal zu Mal dünner. Da ist es vielleicht ganz passend, dass uns die Leseordnung mit dem heutigen Johannes Evangelium eine vergleichbare Perspektive bietet, was die da schon in die Jahre gekommenen Gemeinden betrifft, und nochmal deutlich herausstellt, wer dieser Jesus ist, in dessen Namen wir taufen.
Äußerst aufschlussreich könnte da ein Blick auf ‚Anschrift und Gruß‘ des Apostels Paulus in dem Brief an seine Gemeindegründungen im griechischen Korinth sein. Denn wie im Weiteren des Briefes übermittelt, ging es da bereits drunter und drüber, waren innergemeindliche Streitigkeiten an der Tagesordnung, wird von sexuellen Verfehlungen berichtet und viele kehrten wieder zu bereits überwunden geglaubten heidnischen Opferpraktiken zurück, so dass man gemeinhin von einem ‚Saustall‘ sprechen könnte. Das dürfte uns im kirchlichen Hier und Jetzt ja auch nicht ganz fremd sein! Dennoch schreibt Paulus an die Gemeindemitglieder als ‚die Geheiligten in Christus Jesus, berufen als Heilige …‘ (Vers 1) und scheint dabei noch nicht einmal rot zu werden! Wenn diese Anrede keine Floskel ist oder gewohnheitsmäßig alle Anwesenden schlichtweg als ‚Heilige‘, gleich einer Firmenzugehörigkeit bezeichnet, woher kommt das ‚Heilige‘ dann?
Die Heiligung ist von außen auf uns zu gekommen durch die Taufe, so wie Johannes Jesus auf sich zukommen sah und sagte: ‚Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt‘ (Vers 29). In seinem Ausruf schwingt der jüdische Hintergrund deutlich mit, wonach per Gesetz Gott die Schlachtung des Lammes im Tempel morgens und abends zustand und der ‚Sündenbock‘, beladen mit allem Schuldhaften, in die Wüste gejagt wurde.
Ungeachtet der bis dato konfessionstrennenden Frage, wie man sich einen ‚gerechten Gott schafft‘, besagt die Taufe, dass der Mensch aus dem vermeintlichen Drucksystem ‚Gott‘, als gierig Einfordernder, nunmehr ein für alle Male herausgenommen ist und ER sich selbst vom Menschen hat erdrücken, kreuzigen lassen … aber eben nicht rächend zurückschlägt, sondern dem Opfer-Lamm gleich erduldet!
Damit sind alle noch so potenten Heilsbringer in den Schatten gestellt und ist den allein selig machenden Kirchen und Glaubensgemeinschaften der Stecker gezogen. Denn ‚Heilige‘ sind wir im Sinne des Paulus mit Blick auf einen befreienden Gott, dessen zugesagte Nähe – unter anderem in der Taufe – uns als ‚Kinder Gottes‘ angstfrei leben lässt. Selbst menschliche Kleinkariertheiten können unsere Heiligung vor Gott nie mehr verblassen lassen. Folglich müsste mein getauft Sein mich besonders in diesen Zeiten immer wieder zum Bekenntnis – wie Johannes damals – bewegen: ‚Das habe ich gesehen und ich bezeuge: Er ist Sohn Gottes‘ (Vers 34).
Für Rückfragen und zur Diskussion jan.opiela@web.de
Biblische Texte zum 2. Sonntag im Jahreskreis A (2026)
Lesung: aus dem ersten Brief des Apostel Paulus an die Korinther (1, 1-3)
ANSCHRIFT UND GRUSS
1 Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes 2 an die Kirche Gottes, die in Korinth ist – die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen -, mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus überall anrufen, bei ihnen und bei uns. 3 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Evangelium: Johannes (1, 29 -14)
Das Zeugnis des Täufers
19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du? 20 Er bekannte und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Christus. 21 Sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein.[3] 22 Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben. Was sagst du über dich selbst? 23 Er sagte: Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. 24 Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.[4] 25 Sie fragten Johannes und sagten zu ihm: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist, nicht Elija und nicht der Prophet? 26 Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, 27 der nach mir kommt; ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 28 Dies geschah in Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte. 29 Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! 30 Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. 31 Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird. 32 Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. 33 Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.
